Support is Key: HIAS und Columbia University in New York

Abdul S. ist ein geflohener Professor für Epidemiologie an der Kabul University of Medical Science und der erste afghanische Stipendiat, der im Rahmen der Initiative „Columbia University Scholarship for Displaced Students“ eine Stelle an der Columbia University angenommen hat. Im Herbst 2021 floh er mit seiner Familie aus Afghanistan in die USA.

In diesem Auszug aus dem Interview spricht Abdul S. über die Unterstützungsnetzwerke, die ihm geholfen haben, sich in New York City einzuleben.

When You first arrived to New York where did you live? Where did you stay? Was it also organized by Columbia? Did you have to find your own accommodation? How were you supported at that time? How do you feel in New York generally?

We were lucky to come to the United States, we lived in the luxury hotels, while other people lived on military bases. In the first days, HIAS 11HIAS (founded as the Hebrew Immigrant Aid Society) is a Jewish American nonprofit organization that provides humanitarian aid and assistance to refugees. It was originally established in 1881 to aid Jewish refugees. organization, that takes care of refugees, provided a one-bedroom apartment for us. I spent almost a week there. Later, Prof. Kerry and Columbia University started negotiations and provided me with an accommodation here. Now I am living in the Columbia residential area, which is a nice apartment. I am now in my apartment; two beds apartment and I am living in the Bronx. So now I am feeling very well…But refugees state is not so comfortable, everyone gets uncomfortable, even depressed, anxious. This is something, that we also have, but we are going to adjust and to adapt ourselves to the new life here in New York.

How else did HIAS help you? You came with your family. Is everyone already able to speak English, or do your family members take the language courses? What about your wife, is she working? Are your children going to school? Do you have support in that regard also?

Maybe our level of expectation is so much higher… HIAS helped with application for employment, authorization documents, social security. They organized a first health check-up…. They also contributed to enrollment for my 2 sons to schools. But one school is not very good structured. I again received support from the University of Columbia… They enrolled my son (he is 18) in a private school. I am not paying for that school. To go to the private school is very difficult here, even for New Yorkers, and they are not that affordable. So, that is some kind of the support I have received from the University of Columbia. In addition to the HIAS organization, they also found jobs for my two elder sons that is not convenient to their skills. They started to work at restaurants. One of my sons is not happy, so he left that work… I enrolled my sons for public library English courses, now they are happy, but I am recommending them to find an English special course like IELS as the second language…If they would want to go to the college or to the University, they will need to be professionals in English language, otherwise they cannot. So, this is a capacity building and capacity developing. So, most of the support I received from the Columbia University.

How do you feel in the Bronx? Does it feel like home? Do you feel that New York will be your future home? Is that a goal to stay in New York City?

New York is a big business city, it’s very crowded with a lot of noise. My apartment is near to the expressway. I have soundproof windows, and it is very well apartment… My neighborhood is very good organized and structured area, but there are some parts of Bronx, that I don’t like. I have heard about some conflicts here. To the question, if New York will be my future home – it depends on my business. If I will have employment here, I will stay here. At least I will stay in New Jersey. I don’t have any choice or preference. If I feel that my family will not adjust or adapt here, we could probably go to California, we have relatives and people, that we know there. So, the future is unknown. But I hope that we will stay here to establish our own business, particularly for my sons.

    Fußnoten

  • 1HIAS (founded as the Hebrew Immigrant Aid Society) is a Jewish American nonprofit organization that provides humanitarian aid and assistance to refugees. It was originally established in 1881 to aid Jewish refugees.

Als Sie zum ersten Mal nach New York kamen, wo haben Sie gewohnt? Wer hat es organisiert? Mussten Sie sich selbst eine Unterkunft suchen? Wie wurden Sie zu dieser Zeit unterstützt? Wie fühlen Sie sich allgemein in New York?

Wir hatten das Glück, in die Vereinigten Staaten zu kommen, wir wohnten in den Luxushotels, während andere Leute auf Militärbasen lebten. In den ersten Tagen stellte uns die HIAS 11HIAS (gegründet als Hebrew Immigrant Aid Society) ist eine jüdisch-amerikanische gemeinnützige Organisation, die humanitäre Hilfe und Unterstützung für Geflüchtete leistet. Ursprünglich wurde sie 1881 gegründet, um jüdischen Geflüchteten zu helfen. Organisation, die sich um Flüchtlinge kümmert, eine Ein-Zimmer-Wohnung zur Verfügung. Ich verbrachte dort fast eine Woche. Später nahmen Prof. Kerry und die Columbia University Verhandlungen auf und vermittelten mir eine Unterkunft hier. Jetzt wohne ich in der Wohnanlage der Columbia, die eine schöne Wohnung ist. Ich bin jetzt in meiner Wohnung, einer Dreizimmerwohnung, und ich lebe in Bronx. Jetzt fühle ich mich also sehr gut… Aber der Geflüchtetenzustand ist nicht so angenehm, jeder fühlt sich unwohl, wird sogar depressiv und ängstlich. Das ist etwas, das wir auch haben, aber wir werden uns an das neue Leben hier in New York anpassen.

Wie hat HIAS Ihnen sonst noch geholfen? Sie sind mit Ihrer Familie gekommen. Können alle bereits Englisch sprechen, oder nehmen Ihre Familienmitglieder an Sprachkursen teil? Was ist mit Ihrer Frau, arbeitet sie? Gehen Ihre Kinder zur Schule? Haben Sie auch in dieser Hinsicht Unterstützung?

Vielleicht ist unsere Erwartungshaltung so viel höher… HIAS hat uns bei der Beantragung von Arbeitsplätzen, Genehmigungsdokumenten und der Sozialversicherung geholfen. Sie organisierten eine erste Gesundheitsuntersuchung…. Sie haben auch dazu beigetragen, meine beiden Söhne an Schulen anzumelden. Aber eine Schule ist nicht sehr gut strukturiert. Ich erhielt erneut Unterstützung von der Columbia University… Sie meldeten meinen Sohn (er ist 18) an einer Privatschule an. Ich zahle nicht für diese Schule. Selbst für New Yorker ist es sehr schwierig, eine Privatschule zu besuchen, und sie sind nicht gerade erschwinglich. Das ist also die Art von Unterstützung, die ich von der Columbia University erhalten habe. Zusätzlich zur HIAS-Organisation haben sie auch Jobs für meine beiden älteren Söhne gefunden, die ihren Fähigkeiten nicht entsprechen. Sie haben in Restaurants angefangen zu arbeiten. Einer meiner Söhne ist unzufrieden und hat diese Arbeit aufgegeben… Ich habe meine Söhne für Englischkurse in öffentlichen Bibliotheken angemeldet, und jetzt sind sie zufrieden, aber ich empfehle ihnen, einen speziellen Englischkurs wie IELS als zweite Sprache zu belegen… Wenn sie an ein College oder eine Universität gehen wollen, müssen sie Englischkenntnisse haben, sonst können sie es nicht. Es geht also um den Aufbau von Kapazitäten und die Entwicklung von Fähigkeiten. Die meiste Unterstützung habe ich also von der Columbia University erhalten.

Wie fühlen Sie sich in Bronx? Fühlt es sich wie ein Zuhause an? Haben Sie das Gefühl, dass New York Ihr zukünftiges Zuhause sein wird? Ist es ein Ziel, in New York City zu bleiben?

New York ist eine große Geschäftsstadt, sie ist sehr überfüllt und laut. Meine Wohnung liegt in der Nähe der Schnellstraße. Ich habe schalldichte Fenster, und es ist eine sehr gute Wohnung… Meine Nachbarschaft ist sehr gut organisiert und strukturiert, aber es gibt einige Teile der Bronx, die ich nicht mag. Ich habe von einigen Konflikten hier gehört. Auf die Frage, ob New York mein zukünftiges Zuhause sein wird – das hängt von meiner Arbeit ab. Wenn ich hier Arbeit finde, werde ich hier bleiben. Zumindest werde ich in New Jersey bleiben. Ich habe keine Wahl oder Vorliebe. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich meine Familie hier nicht anpassen kann, könnten wir wahrscheinlich nach Kalifornien gehen, wir haben dort Verwandte und Leute, die wir kennen. Also, die Zukunft ist ungewiss. Aber ich hoffe, dass wir hier bleiben werden, um unser eigenes Unternehmen aufzubauen, vor allem für meine Söhne.

    Fußnoten

  • 1HIAS (gegründet als Hebrew Immigrant Aid Society) ist eine jüdisch-amerikanische gemeinnützige Organisation, die humanitäre Hilfe und Unterstützung für Geflüchtete leistet. Ursprünglich wurde sie 1881 gegründet, um jüdischen Geflüchteten zu helfen.

Abdul S., ehemaliger außerordentlicher Professor für Epidemiologie an der Kabul University of Medical Science, ist der erste afghanische Stipendiat, der im Rahmen der Initiative „Columbia University Scholarship for Displaced Students“ eine Stelle an der Columbia University angenommen hat. Er ist Mediziner und schloss 1990 sein Studium an der Kabuler Universität für medizinische Wissenschaften ab. Seit den 1990er Jahren arbeitete er in einem Krankenhaus, wo er den Krieg tagtäglich hautnah miterlebt. Als sich die Lage in Afghanistan zuspitzte, wurde er in eine der Provinzen versetzt, um dort in einem örtlichen Krankenhaus als Allgemeinchirurg zu arbeiten. Im Jahr 2001 kehrte er nach Kabul zurück. Im Jahr 2003 war Abdul Mitbegründer des „Nationalen Aids-Kontrollprogramms“. Zu dieser Zeit wechselte er von der Medizin in den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens. Nach Abschluss eines Master-Studiengangs in Public Health in Irland kam Abdul im Jahr 2010 als Projektleiter an die Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Als das Projekt im Jahr 2013 eingestellt wurde, kehrte er als Professor an der Fakultät für öffentliche Gesundheit an die Universität für medizinische Wissenschaften in Kabul zurück. In der Zeitperiode von 2016 bis 2018 war er als Dekan der Fakultät für öffentliche Gesundheit tätig. Mit der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 befand er und seine Familie sich von einem Moment zum anderen in akuter Gefahr. Seine Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und amerikanischen Universitäten konnte ihm nun zu Verhängnis werden, so dass er die Entscheidung traf, mit amerikanischer Universitätsunterstützung in die USA zu fliehen.

Das Interview wurde vom We Refugees Archive Team im Frühjahr 2022 durchgeführt.