Tatkräftige

Zu Beginn wurden die Displaced Persons entsprechend ihrer (früheren) Nationalität untergebracht. Aufgrund von Konflikten forderten jüdische DPs eine eigene Unterbringung. Daraufhin richtete die US-amerikanische Militärverwaltung in ihrer Besatzungszone DP-Lager für jüdische Überlebende ein.

Geflüchtete reparieren das Dach der Unterkunft in der Iranischen Straße, 1945 © American Jewish Joint Distribution Committee Archives, NY_07161

Menschenansammlung auf dem Hauptplatz des DP-Lagers „Düppel-Center“ © Wiener Library, WL6996 (uncatalogued)

Junge DPs bekommen neue Schuhe von einem Lagerpolizisten, ca. 1946 © American Jewish Joint Distribution Committee Archives, NY_11619

Eingang zum UNRRA-Lager Berlin-Mariendorf, Berlin 1947 © Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2006/8/10, Schenkung von Chaim Stein

Tisch außerhalb des Büros für Arbeitsvermittlung im DP-Lager „Düppel-Center“, Berlin 1946 © United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Miles & Chris Laks Lerman, N04926

Gelände des DP-Lagers in Mariendorf auf der Eisenacher Straße © United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Mayer & Rachel Abramowitz, 58438

Menschen in einem der jüdischen DP-Camps in Berlin, Juni 1947 © United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Robert L. Kaplan, 67793

Mit dem Ausweis der International Refugee Organization konnte sich Otto Nothmann im Chaos des Nachkriegsberlin vor den alliierten Soldaten ausweisen. Der DP-Status berechtigte ihn zu einem erhöhten Maß an Verpflegung und Unterkunft in einem jüdischen DP-Camp. © Courtesy of the Leo Baeck Institute, New York, AR 10492

Ein Rundfunksprecher neben seiner Ausrüstung und einem Stapel Schallplaten im DP-Camp „Düppel-Center“ © United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Mayer & Rachel Abramowitz, 58417

Gate at Schlachtensee Displaced Persons Camp, Berlin © United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Miles & Chris Laks Lerman

Die Entstehung jüdischer DP-Lager

DP-Lager, sogenannte assembly centers, entstanden in Westdeutschland in Krankenhäusern, Schulen, ehemaligen Kasernen oder Zwangsarbeitslagern, aber auch vereinzelt auf den Geländen ehemaliger Konzentrationslager. Zu Beginn wurden die Displaced Persons entsprechend ihrer (früheren) Nationalität untergebracht. Dies führte zu Konflikten: Jüdische Geflüchtete mussten den Raum mit potenziellen Kollaborateur:innen aus ihren Heimatländern teilen. Sie forderten eine eigene Unterbringung. Zudem waren viele so geschwächt, dass sie besonderer Unterstützung bedurften. Daraufhin richtete die US-amerikanische Militärverwaltung in ihrer Besatzungszone DP-Lager für jüdische Überlebende ein.

„Es ist nicht der Zweck von den Hilfsorganisationen und sie haben nicht die Möglichkeiten, uns ‚geistig‘ wieder aufzubauen. Es muss unsere eigene Arbeit und Verantwortung sein. Das heißt, wir müssen selbst die Initiatoren und Verwirklicher dieser Aufgabe sein. Und die Aufgabe ist eine sehr große und wichtige, und, meiner Meinung nach, die wichtigste auf der Tagesordnung der Wiederbelebung unseres Volkes.“

Undser Lebn, 10. August 1946

Mit dem Ausweis der International Refugee Organization konnte sich Otto Nothmann im Chaos des Nachkriegsberlin vor den alliierten Soldaten ausweisen. Der DP-Status berechtigte ihn zu einem erhöhten Maß an Verpflegung und Unterkunft in einem jüdischen DP-Camp. © Courtesy of the Leo Baeck Institute, New York, AR 10492

Die erste Anlaufstelle für die jüdischen Geflüchteten in Berlin war die im Herbst 1945 neu gegründete Jüdische Gemeinde, die Unterkünfte in den sowjetisch und französisch besetzten Teilen der Stadt einrichtete. Ein größeres Auffanglager entstand am Eichborndamm in Wittenau. Ende 1945 drohten die sowjetischen Behörden, die jüdischen Geflüchteten aus ihrer Zone auszuweisen. Daraufhin flohen die Menschen in den US-amerikanisch besetzten Teil der Stadt. Um die Geflüchteten aufzunehmen, wurden innerhalb weniger Wochen in Zehlendorf und Mariendorf Lager eingerichtet. Sie unterstanden der Hilfsorganisation United Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA), die später zur International Refugee Organization (IRO) wurde. Auch das American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) war maßgeblich beteiligt. Im Lager „Düppel-Center“ in Zehlendorf lebten in der Höchstphase 1946 über 5.000, in „Bialik“ in Mariendorf über 4.000 Menschen.

Selbstverwaltung und Selbstbehauptung

Schnell forderten die Bewohner:innen die Selbstverwaltung der DP-Lager ein. Sie entwickelten demokratische Strukturen, die das Gemeindeleben regelten. Die wichtigste Instanz war das Berliner Zentralkomitee, welches mit der Militärverwaltung und den Hilfsorganisationen verhandelte. Dem Zentralkomitee unterstanden die einzelnen Lagerkomitees, die als Gemeindeverwaltung fungierten. In allen jüdischen DP-Lagern Berlins gab es selbstorganisierte Strukturen von Polizei, Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Bildung, Sport und Ernährung. Eine der wichtigsten Aktivitäten war die Einrichtung eines Suchdienstes für Angehörige der Überlebenden. Mit Hilfe des JDC konnten so von 1945 bis 1947 über 16.000 Personen ermittelt und die Verbindung zu anderen DPs hergestellt werden.

„D.P.s oder P.D.s

Allgemeine Bezeichnungen sind oft nicht richtig. Am deutlichsten beweisen das die zwei weltberühmten Buchstaben D.P. Ihre richtige Bedeutung ist Displaced Person – verschleppte Personen […]. Für uns jüdische DPs ist das sicher eine richtige Bezeichnung. Wir sind heimatlose Menschen, die ihren Liebsten verloren haben, und wir können nicht in unsere ehemaligen Zuhause zurückkehren, selbst nach dem Waffenstillstand. […] Lasst uns aber die andere Kategorie von DPs anschauen. Es handelt sich um nichtjüdische Personen, für die die Bezeichnung DPs – verschleppte Personen – nicht passend ist. […] Sie haben sich freiwillig dem Nationalsozialismus angeschlossen. […] Während wir DPs sind, verschleppte Personen, sind sie PDs, politische Desperados.“

Undser Lebn, 18. Juli 1946

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