Kinderarbeit in Paris

Fé Garcia Petit erzählt davon, wie sie als mit Zwölf anfing, zu arbeiten, um ihre Eltern finanziell zu unterstützen.

J’ai eu mon certificat à 11 ans et demi et je suis tout de suite partie chercher du travail, à 12 ans. J’ai passé une visite chez le docteur, qui ne regardait rien, et je me suis mise toute seule à chercher du travail. À l’époque on allait partout pour demander s’il y avait du travail pour nous. J’en ai finalement trouvé dans une cartonnerie, à Paris, chez Faillot, à la Porte-de-la-Chapelle. Mais mon père ne voulait pas que je dépasse la barrière de l’octroi et que j’aille travailler à Paris. J’ai donc menti à mes parents en disant que j’allais travailler dans une cartonnerie de l’avenue Wilson, en face du cinéma, chez Soubraque. Tous les matins, ma copine Maria Timon, qui habitait 1 passage Boise, venait me chercher pour aller au travail mais elle, elle prenait le tramway car sa mère lui donnait des tickets, alors que moi je courrais tout du long, jusqu’à la porte de la Chapelle. J’étais déjà crevée en arrivant au travail. Tous les jours ma mère me préparait ma gamelle ; elle ne comprenait pas pourquoi je ne rentrais pas manger à la maison mais je racontais que je préférais rester manger avec mes copines. Si j’avais dit à mon père que j’avais dépassé l’octroi, il m’aurait fait prendre mon compte et c’était dur de trouver du boulot à ce moment-là. Finalement c’est une voisine espagnole de notre cour qui a découvert le pot aux roses. Elle m’a interrogée sur l’endroit où je travaillais et quand je lui ai dit que c’était chez Soubraque, elle m’a dit qu’ils ne prenaient pas les étrangers. Elle a tout raconté à mes parents mais finalement je suis restée travailler là-bas car le petit quelque chose que je ramenais à la maison servait à mettre du beurre dans les épinards. J’ai fait entrer plein d’Espagnols dans cette boîte : Bogas, Martin, Nina Martinez qui travaillait alors dans la couture.

Ich erhielt mein Zeugnis mit elfeinhalb Jahren und ging direkt mit zwölf Jahren weg, um Arbeit zu suchen. Ich ging in die Praxis des Arztes, der sich nichts ansah, und begann ganz allein, mir selbst eine Arbeit zu suchen. Zu dieser Zeit gingen wir überall hin, um zu fragen, ob es Arbeit für uns gäbe. Ich habe schließlich welche in einer Kartonagenfabrik in Paris gefunden, bei Faillot, an der Porte-de-la-Chapelle. Aber mein Vater wollte nicht, dass ich über die Lizenzgrenze gehe und in Paris arbeiten gehe. Also log ich meine Eltern an und sagte, ich würde in einer Kartonagenfabrik in der Avenue Wilson, gegenüber dem Kino, bei Soubraque arbeiten. Jeden Morgen kam meine Freundin Maria Timon, die in der Passage Boise 1 wohnte, um mich abzuholen, um zur Arbeit zu gehen, aber sie nahm die Straßenbahn, weil ihre Mutter ihr Fahrkarten gab, während ich den ganzen Weg bis zur Porte de la Chapelle lief. Ich war bereits erschöpft, wenn ich bei der Arbeit ankam. Jeden Tag bereitete meine Mutter meine Lunchbox für mich zu; sie verstand nicht, warum ich nicht nach Hause ging, um zu essen, aber ich erzählte, dass ich es vorzog, zu bleiben und mit meinen Freundinnen zu essen. Hätte ich meinem Vater gesagt, dass ich über die Lizenzgrenze gegangen war, hätte ich meine Arbeit aufgeben müssen und es war zu dieser Zeit schwierig, eine Arbeit zu finden. Letztendlich war es eine spanische Nachbarin aus unserem Hof, die mir auf die Schliche kam. Sie fragte mich nach dem Ort, an dem ich arbeitete, und als ich ihr sagte, dass ich bei Soubraque arbeite, sagte sie, sie würden keine Ausländer nehmen. Sie erzählte meinen Eltern alles, aber am Ende arbeitete ich weiterhin dort, denn die Kleinigkeit, die ich mit nach Hause brachte, wurde verwendet, um Butter in den Spinat zu tun. Ich habe viele Spanier in diese Firma gebracht: Bogas, Martin, Nina Martinez, die zu dieser Zeit in der Näherei arbeitete.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert entstand das sogenannte „Kleine Spanien“ im Pariser Vorort La Plaine Saint-Denis. 1931 machten Spanier*innen mit 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in La Plaine Saint-Denis die größte Einwanderergemeinschaft aus.

Verschiedene spanische Migrant*innen hatten sich in Saint-Denis, Saint-Ouen und Aubervilliers nach drei zu unterscheidenden Migrationsbewegungen angesiedelt. Sogenannte Wirtschaftsmigrant*innen prägten das Jahrzehnt der 1920er. Nach der Zerschlagung des Aufstands in Asturien Ende 1934 fingen vor allem politische Geflüchtete an, in die Pariser Vororte einzutreffen und ihre Zahl stieg bis 1950 circa 1,5 Millionen nach der Niederlage des republikanischen Lagers 1939. Zwischen 1955 und 1970 folgte eine weitere Generation von spanischen Wirtschaftsmigrant*innen. 11« La petite Espagne de la Plaine-Sainte-Denis », https://www.tourisme93.com/la-petite-espagne-de-la-plaine-saint-denis.html [Zugriff am 28. Juli 2020].

Die Verbindung nach Spanien blieb für viele auch nach der Migration bestehen. Als der Bürgerkrieg in Spanien wütete, machten sich beispielsweise einige ethnisch-spanische Männer im Alter von 18 bis 46 aus der Plaine Saint-Denis auf den Weg zurück nach Spanien, um im republikanischen Lager zu kämpfen. Diejenigen, die in „Klein Spanien“ blieben, organisierten Unterstützungsnetzwerke für Kommunist*innen oder Anarchist*innen.

Die Aufnahmeerfahrungen unterschieden sich für spanische Migrant*innen in Abhängigkeit vom jeweiligen französischen Migrationsregime. Dieses wiederum veränderte sich mit der wirtschaftlichen und politischen Lage Frankreichs, doch Ausgrenzung und Diskriminierung beherrschte das leben vieler egal wann sie ankamen. Als Anfang 1939 beispielsweise spanisch-republikanische Bürgerkriegs-Geflüchtete einen buchstäblichen Exodus Richtung Frankreich antraten, von denen es viele auch nach Paris und Umgebung schlug, wurde es nur allzu augenscheinlich, dass sich Frankreich vom Land der Geflüchteten zum Land des erzwungenen Transits gewandelt hatte. Denn obwohl die französischen Autoritäten Ende der 1930er inzwischen sehr gut darauf vorbereitet gewesen wären, spanische Bürgerkriegs-Geflüchtete „human“ aufzunehmen, sprachen die innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen offensichtlich dagegen: Einwanderung sollte unter der rechtsgerichteten Regierung Édouard Daladiers stark eingegrenzt werden und Geflüchteten so erschwert werden, in Frankreich zu bleiben. 22Scott Soo, The routes to exile: France and the Spanish Civil War refugees, 1939-2009 (New York : Manchester University Press, 2013), S. 1–3.

    Fußnoten

  • 1« La petite Espagne de la Plaine-Sainte-Denis », https://www.tourisme93.com/la-petite-espagne-de-la-plaine-saint-denis.html [Zugriff am 28. Juli 2020].
  • 2Scott Soo, The routes to exile: France and the Spanish Civil War refugees, 1939-2009 (New York : Manchester University Press, 2013), S. 1–3.

Ausschnitt aus dem Interview mit Fé Garcia Petit, geführt von Natacha Lillo, Dozentin für spanische Zivilisation an der Universität Paris-Diderot (Paris 7), am 13. Dezember 1999 und 9. März 2001 in Garges-les-Gonesses.

Natacha Lillo, La Petite Espagne de la Plaine Saint-Denis (Paris: Autrement, 2004).

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