Flucht vor dem Militär

Barry Chukudi kommt aus Nigeria, aus Biafra. Er floh 2013 aufgrund der Gewalt des nigerianischen Militärs im Kampf um die Unabhängigkeit der Biafra-Region in die Türkei. Er spricht über die Gründe seiner Flucht und den Weg nach Istanbul.

Barry Chukudi, privates Foto. 2021.

Yes. So, I did not come directly to Turkey. I came across Cameroon because we have border with Cameroon. I took a ship, so that ship have to move through Gine, coast of Gine. From Gine, we came through Libya, then from Libya we came to Egypt. From Egypt, we came to Turkey. It was a 16 days journey. […]

I brought to my wife through the same process, too, she came. So, from Africa my wife is from Ethiopia. All this way, we were together, sometime my wife walked, we have something to do, so we did. We walked together, this is how we are here. […]

In those conflicts I lost my father and my uncle, so many reasons. Nigerian army, in this Biafra region we have oil, we have gas, we have all sources but the government use everything, we don’t have anything. So our people decided to say “enough is enough!” Give us our independence, we want to be separated from Nigeria. Nigerian government said “No.” So because of that, our people got fight with the federal government, our people being killed, our farmlands, our agri products, everything has been destroyed by one particular ethnic group called Fulani. The Fulani is a small ethnic group, because the president is Fulani, they give that group weapons to kill the people, to destroy our farms. We fought, so they did so many things to us, more than hundred people killed, because of that kind of problems, so we decided to run away. We lived in our own country, then we had to ran and we came to Turkey. Because of the problem between Biafran and Nigerian government in Nigeria. […]

Well, the first place I came was Izmir. So when we came to Izmir, our plan was to go to Greece, then Europe. But the ship dropped us, they say we should wait for one week, that is gonna bring other people. Then we said, how do we wait for one week? He said, we should go inside a town then stay in a place and wait they call back until another person calls from Greek. So, from there, people started asking questions. Every people said, if you go to Istanbul, there is nothing in Izmir, you can go to Istanbul and you can meet with other black people. So that was the reason why we came to Istanbul.

Barry Chukudi, privates Foto. 2021.

Ich bin nicht direkt in die Türkei gekommen. Ich bin zuerst nach Kamerun, weil wir eine Grenze mit Kamerun haben. Ich hab ein Schiff genommen und das Schiff ist Richtung Guinea, die Küste von Guinea. Von Guinea, sind wir nach Libyen gekommen, dann nach Ägypten. Und von Ägypten dann in die Türkei. Es war eine 16-tägige Reise. […]

Ich habe meine Frau mitgenommen, sie ist auf dieselbe Weise wie ich gekommen. Meine Frau kommt aus Äthiopien. Die ganze Zeit waren wir zusammen, manchmal liefen wir zu Fuß. Wir mussten, also taten wir es. Wir sind zusammengelaufen, so sind wir hergekommen. […]

In den Konflikten habe ich meinen Vater und meinen Onkel verloren, es gab so viele Gründe. Die nigerianische Regierung. In der Biafra-Region haben wir Öl, wir haben Gas, wir haben alle Ressourcen, aber die Regierung hat alles selbst behalten, wir haben gar nichts. Deswegen haben unsere Leute entschieden: „Genug ist genug!“ Gebt uns unsere Unabhängigkeit, wir wollen nicht mehr Teil von Nigeria sein. Die nigerianische Regierung hat das abgelehnt. Deswegen haben unsere Leute angefangen, gegen die regionale Regierung zu kämpfen, unsere Leute werden umgebracht, unser Ackerland, unsere Landwirtschaft, alles wurde von einer bestimmten Gruppe zerstört. Den Fulani. Die Fulani sind eine kleine ethnische Gruppe, aber weil der Präsident Fulani ist geben sie ihnen Waffen, um uns umzubringen, um unsere Höfe zu zerstören. Wir haben uns gewehrt. Deswegen haben sie uns soviel angetan. Über 100 Leute wurden umgebracht. Deswegen haben wir uns entschieden wegzulaufen. Wir haben in unserem Land gelebt, dann sind wir gelaufen und in die Türkei gekommen. Wegen den Problemen der Biafra und der nigerianischen Regierung. […]

Zuerst bin ich nach Izmir gekommen. Als wir in Izmir angekommen sind, war unser Plan, nach Griechenland zu gehen, dann nach Europa. Aber das Schiff hat uns abgesetzt. Sie haben gesagt, wir sollten eine Woche warten, sie warten noch auf andere Leute. Wie haben gefragt, wie wir eine Woche warten sollen? Er meinte, wir sollten in die Stadt und dort warten. Sie würden uns holen, wenn eine andere Person aus Griechenland sich meldet. Wir haben die Leute um uns herum gefragt. Sie haben uns gesagt, in Izmir gibt es nichts, du musst nach Istanbul, da kannst du andere Schwarze treffen. Also, deshalb sind wir nach Istanbul.

Barry kommt aus der Biafra-Region in Nigeria. Die Region war von 1967 bis 1970 kurzzeitig unabhängig. Aus der Bevölkerung heraus gibt es weiter Bestrebungen sich von Nigeria abzuspalten, teils mit Waffengewalt. Das nigerianische Militär geht gewaltsam dagegen vor. Nach Amnesty-Berichten starben 2020 durch das Militär mindestens 115 Menschen, davon viele Zivilist:innen. 11Amnesty International, 2021: Nigeria 2020. https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/nigeria-2020 (18.10.2021).

Barry floh 2013 aufgrund der Gewalt des nigerianischen Militärs im Kampf um die Unabhängigkeit der Biafra-Region in die Türkei. Er spricht über die Gründe seiner Flucht und den Weg nach Istanbul. Barry lebt heute mit seiner Frau und seinem Sohn in Istanbul.

    Fußnoten

  • 1Amnesty International, 2021: Nigeria 2020. https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/nigeria-2020 (18.10.2021).

Das Interview wurde 2021 auf Englisch per Videotelefonat von Elif Yenigun  im Auftrag des We Refugees Archivs geführt.

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche © Minor