Arbeitersolidarität und Diskriminierung in Paris 1936

Fé Garcia Petit erzählt von Arbeiter*innenwiderstand und -solidarität und von Sexismus.

En mai 36, au moment des grèves, je me suis retrouvée membre du comité de grève avec deux autres femmes. On représentait chacune notre étage. On m’avait mise au comité parce que je savais bien lire et parler le français ; la plupart des autres ouvrières étaient étrangères et ne se débrouillaient pas très bien. Je me suis retrouvée dans le bureau du patron avec les deux autres déléguées. En me voyant entrer, il s’est exclamé : « Qu’est-ce que vous faites là, vous n’avez même pas 18 ans ! » Comme j’étais très hardie, je lui ai répondu direct : « Quand vous m’avez mise sur la scie circulaire, vous vous en moquiez bien que je n’aie pas 18 ans ! » Cela l’a rendu furieux contre moi. Dès la fin des grèves, j’ai été la première virée. Sa secrétaire personnelle (qui était aussi sa maîtresse) m’avait dit que si je lui présentais des excuses, il accepterait sans doute de me reprendre mais j’avais mon orgueil et j’ai refusé. Ma sœur Conso, qui n’avait rien fait, a été virée en même temps que moi, ainsi qu’un copain espagnol, Maurice Nuevo. Après on ne trouvait plus de travail nulle part, on était sur la liste noire. Tous les lundis, on allait chercher de l’embauche mais personne ne voulait de nous. C’était difficile aussi parce que j’étais Espagnole, car je suis née en Espagne – je ne suis devenue française qu’avec mon mariage. Un jour avec ma sœur, on nous a promis du travail dans une usine de valises à Torcy ; on était contentes, ça avait l’air propre. Quand on est arrivées le lundi matin avec nos blouses, ils nous ont renvoyées ; ils avaient dû passer un coup de fil chez Clerc.

Im Mai ’36, zur Zeit der Streiks, fand ich mich zusammen mit zwei anderen Frauen als Mitglied des Streikkomitees wieder. Jede von uns vertrat ihr Stockwerk. Ich war in den Ausschuss berufen worden, weil ich gut Französisch lesen und sprechen konnte; die meisten anderen Arbeiterinnen waren Ausländerinnen und kamen nicht sehr gut zurecht. Ich fand mich mit den anderen beiden Delegierten im Büro des Chefs wieder. Als er mich hereinkommen sah, rief er aus: „Was machen Sie hier, Sie sind noch nicht einmal 18 Jahre alt!“ Da ich sehr kühn war, sagte ich: „Als Sie mich an die Kreissäge setzten, war es Ihnen egal, dass ich nicht 18 bin!“ Das machte ihn wütend auf mich. Sobald die Streiks beendet waren, wurde ich als Erste entlassen. Seine persönliche Sekretärin (die auch seine Geliebte war) sagte mir, dass er mich wahrscheinlich zurücknehmen würde, wenn ich mich bei ihm entschuldigen würde, aber ich hatte meinen Stolz und lehnte ab. Meine Schwester Conso, die nichts getan hatte, wurde gleichzeitig mit mir entlassen, genauso wie ein spanischer Freund, Maurice Nuevo. Danach fanden wir nirgendwo mehr Arbeit, wir waren auf der schwarzen Liste. Jeden Montag gingen wir auf Arbeitssuche, aber niemand wollte uns. Es war auch deshalb schwierig, weil ich Spanierin war, weil ich in Spanien geboren bin – ich wurde erst Französin, als ich heiratete. Eines Tages wurde meiner Schwester und mir ein Job in einer Kofferfabrik in Torcy versprochen; wir waren glücklich, es sah sauber aus. Als wir am Montagmorgen mit unseren Blusen ankamen, schickten sie uns weg; sie mussten einen Anruf bei Clerc getätigt haben.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert entstand das sogenannte „Kleine Spanien“ im Pariser Vorort La Plaine Saint-Denis. 1931 machten Spanier*innen mit 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in La Plaine Saint-Denis die größte Einwanderergemeinschaft aus.

Verschiedene spanische Migrant*innen hatten sich in Saint-Denis, Saint-Ouen und Aubervilliers nach drei zu unterscheidenden Migrationsbewegungen angesiedelt. Sogenannte Wirtschaftsmigrant*innen prägten das Jahrzehnt der 1920er. Nach der Zerschlagung des Aufstands in Asturien Ende 1934 fingen vor allem politische Geflüchtete an, in die Pariser Vororte einzutreffen und ihre Zahl stieg bis 1950 circa 1,5 Millionen nach der Niederlage des republikanischen Lagers 1939. Zwischen 1955 und 1970 folgte eine weitere Generation von spanischen Wirtschaftsmigrant*innen. 11« La petite Espagne de la Plaine-Sainte-Denis », https://www.tourisme93.com/la-petite-espagne-de-la-plaine-saint-denis.html [Zugriff am 28. Juli 2020].

Die Verbindung nach Spanien blieb für viele auch nach der Migration bestehen. Als der Bürgerkrieg in Spanien wütete, machten sich beispielsweise einige ethnisch-spanische Männer im Alter von 18 bis 46 aus der Plaine Saint-Denis auf den Weg zurück nach Spanien, um im republikanischen Lager zu kämpfen. Diejenigen, die in „Klein Spanien“ blieben, organisierten Unterstützungsnetzwerke für Kommunist*innen oder Anarchist*innen.

Die Aufnahmeerfahrungen unterschieden sich für spanische Migrant*innen in Abhängigkeit vom jeweiligen französischen Migrationsregime. Dieses wiederum veränderte sich mit der wirtschaftlichen und politischen Lage Frankreichs, doch Ausgrenzung und Diskriminierung beherrschte das leben vieler egal wann sie ankamen. Als Anfang 1939 beispielsweise spanisch-republikanische Bürgerkriegs-Geflüchtete einen buchstäblichen Exodus Richtung Frankreich antraten, von denen es viele auch nach Paris und Umgebung schlug, wurde es nur allzu augenscheinlich, dass sich Frankreich vom Land der Geflüchteten zum Land des erzwungenen Transits gewandelt hatte. Denn obwohl die französischen Autoritäten Ende der 1930er inzwischen sehr gut darauf vorbereitet gewesen wären, spanische Bürgerkriegs-Geflüchtete „human“ aufzunehmen, sprachen die innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen offensichtlich dagegen: Einwanderung sollte unter der rechtsgerichteten Regierung Édouard Daladiers stark eingegrenzt werden und Geflüchteten so erschwert werden, in Frankreich zu bleiben. 22Scott Soo, The routes to exile: France and the Spanish Civil War refugees, 1939-2009 (New York : Manchester University Press, 2013), S. 1–3.

    Fußnoten

  • 1« La petite Espagne de la Plaine-Sainte-Denis », https://www.tourisme93.com/la-petite-espagne-de-la-plaine-saint-denis.html [Zugriff am 28. Juli 2020].
  • 2Scott Soo, The routes to exile: France and the Spanish Civil War refugees, 1939-2009 (New York : Manchester University Press, 2013), S. 1–3.

Ausschnitt aus dem Interview mit Fé Garcia Petit, geführt von Natacha Lillo, Dozentin für spanische Zivilisation an der Universität Paris-Diderot (Paris 7), am 13. Dezember 1999 und 9. März 2001 in Garges-les-Gonesses.

Natacha Lillo, La Petite Espagne de la Plaine Saint-Denis (Paris: Autrement, 2004).

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