„Verstehen ist das Wichtigste!“

Marrie S. erzählt, was ihm Bildung bedeutet und wie Palermo durch die Menschen, die ihn unterstützten, zu seinem Zuhause geworden ist.

Marrie S., Palermo 2019 © Minor

„Auch wir haben eine Aufgabe. In der Zwischenzeit, in der wir in den Aufnahmezentren leben, sollten wir uns stärken und zur Schule gehen. Es gibt Menschen, die nichts anderes tun als essen und schlafen. Es ist wahr, dass es Bedingungen gibt, die treiben dich dazu, nichts zu tun. Wir brauchen alle jemanden, der uns Mut macht, hier Dinge zu tun. Das erste, was du tun kannst, ist, nach der Sprache zu streben. Ohne Sprache kannst du nicht kommunizieren. Ich glaube nicht, dass die Schule der einzige Weg ist, Italienisch zu lernen. Man kann sich auch einen Job suchen, einen Beruf erlernen. Ich habe auch in der Landwirtschaft gearbeitet und dort Italienisch gelernt.

Seit ich in Italien angekommen bin, lebe ich in Palermo. Ich kann sagen, dass Palermo meine Stadt ist. Als ich ankam, war ich in Asanti, Casa Marconi. Ich war da für acht Monate. Die ersten drei Monate ging ich nicht zur Schule. Wir gingen nach Salone und dann dort zur Schule. Danach hatte ich weder Schule noch Arbeit. Ich ging wieder für fünf Monate nicht zur Schule. Ich dachte darüber nach, wie dieser Ort zu mir sprechen kann. Wenn ich mit Italiener*innen spreche, helfen sie mir, aber wie kann ich selbst das tun? Zu verstehen ist das wichtigste. Ich verstand, dass ich zur Schule gehen muss. Ich ging dort wieder für acht Monate hin und beendete mein terza media. 11Terza media ist die italienische Bezeichnung für die dritte Klasse der Mittelschule, deren Abschluss Qualifizierung für die Berufsschule oder das Gymnasium ist. Dann brachten sie mich ins Centro Astalli und dank ihnen konnte ich in eine weitere Schule gehen und mein zweites Jahr dort beenden.

Palermo ist eine gute Stadt für mich, denn seit ich hergekommen bin, habe ich viele Dinge gelernt. Ich habe gute Freunde gefunden. Es ist meine Heimatstadt. Auch dort, wo du zuhause bist, kannst du Probleme haben. Vielleicht gab es früher wenige Afrikaner*innen hier […] Aber die Stadt hat sich verändert. Jetzt gibt es hier viele Italiener*innen zusammen mit Afrikaner*innen.“

Interview mit Marrie S., Palermo, am 12. Juni 2018

    Fußnoten

  • 1Terza media ist die italienische Bezeichnung für die dritte Klasse der Mittelschule, deren Abschluss Qualifizierung für die Berufsschule oder das Gymnasium ist.

Marrie S. kommt aus Gambia und ist seit 2016 in Palermo. Mit Unterstützung von Organisationen wie dem Centro Astalli hat er begonnen, zur Schule zu gehen.

Marrie S. erzählte im Giocherenda Workshop von seinen Erfahrungen in Palermo. Er erzählt, dass Bildung für ihn einen großen Stellenwert hat – sowohl das Lernen der italienischen Sprache als auch der Besuch einer Schule. Marrie gelang der Abschluss der Mittelschule (terza media), der ihn für eine weiterführende Schule qualifiziert. Er hat sich einen Freundeskreis aufgebaut. Trotz Diskriminierungserfahrungen in Italien fühlt sich Marrie in Palermo zuhause.

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