Next Level Bad Girl

Fatima D. geht zur Schule und erhält am Konservatorium eine Ausbildung zur Musikerin. Ihr Zukunftstraum ist es, Sängerin und Musikerin werden. Der Wunsch entstand durch eine spontane Begegnung mit einem Trommellehrer, der sie beim Djembéspielen sah.

Fatima D. kommt aus Gambia und ist im Mai 2017 als Minderjährige in Palermo angekommen. Sie geht zur Schule, ist am Konservatorium und verbringt ihre Freizeit im Ballarò, das historische Zentrum von Palermo. Ballarò ist Treffpunkt verschiedener migrantischer Communities und auch der zentrale Ort für das alltägliche Leben von Fatima: Hier kauft sie ein, geht zum Friseur, besucht Freund*innen. Dabei fehlen Fatima, wie sie sagt, weiterhin Menschen, denen sie vertraut, wie ihre Mutter, die sie als wichtigste Bezugsperson immer wieder um Rat bittet. Die beiden können nur am Telefon sprechen, da ihre Mutter nicht mit ihr nach Italien gekommen ist.

Fatima D. erhält am Konservatorium eine Ausbildung zur Musikerin. Ihr Zukunftstraum ist es, Sängerin und Musikerin werden. Der Wunsch entstand durch eine spontane Begegnung mit einem Trommellehrer, der sie beim Djembéspielen sah und ihr beim Eintritt in das Konservatorium half.

Wie entstanden die Selbstzeugnisse, Filme und Filmfragmente in Palermo?

Diawara B. und Diallo S. von Giocherenda gestalteten mit den Teilnehmenden Glory M., Fatima D., Ismail A., Kadijatu J., Marrie S. und Mustapha F. einen dreitägigen Workshop, indem es um ihre eigenen Erfahrungen in Palermo ging. Mit verschiedenen Ansätzen und Spielen konnten in der Gruppe persönliche Erfahrungen ausgetauscht und vor der Kamera des We Refugees Archiv Filmteam in der Black Box erzählt werden. Fatima D., Ismail A. und Mustapha F. erklärten sich bereit, außerhalb des Workshops von Giocherenda mit dem We Refugees Archiv Filmteam Kurzfilme über ihr Leben und ihre Themen in der Stadt zu drehen.

Giocherenda ist eine professionelle Organisation von und mit jungen Geflüchteten in Palermo, die Spiele zum Storytelling anbietet. Es geht im Ansatz nicht darum Geflüchteten zu helfen und zu unterstützen, sondern ausdrücklich um den umgekehrten Ansatz: Geflüchtete helfen Europäer*innen im gemeinsamen Zusammensein und Erfahrungsaustausch.

Giocherenda kommt aus der afrikanischen Sprache Pular und bedeutet Solidarität, aber auch Interdependenz and Stärke, die aus der Zusammenkunft der Menschen entsteht. Es ähnelt dem italienischen Wort „Giocare“ (Spielen), das das Kollektiv dazu inspirierte, Spiele zu entwickeln, die Erzählungen erzeugen und persönliche Erinnerungen teilen können.

Perspektive der Geflüchteten

Es wurde bewusst auf ein Drehbuch oder standardisierte Fragen in den filmischen Interviews verzichtet. Es ging allein um die Perspektive der Geflüchteten und die Themen, über die sie sprechen wollten. Einzige Vorgabe des Workshops war ein grober inhaltlicher Rahmen zu ihren Lebenserfahrungen in Palermo und ihren Visionen in naher Zukunft. Entsprechend konnten die Teilnehmenden frei entscheiden, was sie thematisieren und über welche Eindrücke, Probleme und Perspektiven sie sprechen wollten. Dass einige von ihnen dennoch über ihre Fluchterfahrungen nach Europa sprachen, beruhte also nicht auf einer Workshopvorgabe, sondern allein auf ihrer eigenen Entscheidung.

Regie: Francesca Bertin
Kamera: Max Sänger
Produktion: Francesca Bertin

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