Gespräch zwischen Diawara B. und Leoluca Orlando „Bin ich ein Palermitaner oder bin ich keiner?“

Diawara B. und der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, im Gespräch über die (Un-)Möglichkeiten von Palermo als Stadt der Aufnahme.

Diawara B., Palermo 2019 © Minor

Diawara: Ho cercato di tutto: di imparare la lingua,di immergersi nella cultura, di fare tutto per diventare un palermitano come si deve essere. Perché dietro ogni diritto c’è un dovere. Quindi ho cercato di fare il mio dovere. Però la cosa che non ho capito è il fatto che io dopo aver fatto tutte queste cose che la questura di Palermo mi ha rifiutato di rinnovare il mio permesso di soggiorno solo perché non ho il passaporto. Ho tutti i documenti ma solo qualche mio passaporto.

Quindi alla fine non ho capito:  Io sono palermitano o non sono palermitano? Tanti ragazzi sono nella stessa situazione.

Leoluca Orlando: In questa situation dobbiamo distinguere, dobbiamo distinguere fra quello che è di competenza del Comune e quello di competenza della questura.

Leoluca Orlando, sindaco di Palermo, 2019 © Minor

Il comune è competente a dare l’iscrizione anagrafica e da l’iscrizione anagrafica in base alla legge. L’attuale legge Salvini dice al sindaco che non deve dare l’iscrizione, ma l’ho dato lo stesso. Abbiamo firmato centinaia di iscrizione anagrafica.

Con iscrizione anagrafica uno diventa visibile e può accedere al permesso di soggiorno.

Quindi il tema di fondo é se tu hai una iscrizione anagrafica attuale a Palermo? Se no devi chiederlo! Se la chiedi ti viene data.

Cosa è successo? Questo cosiddetto decreto Salvini che poi é legge ha abolito la protezione umanitaria. Avendo abolito la protezione umanitaria, quando io faccio diciott’anni, finisce il periodo in cui avevo la protezione come minorenne. E in quel momento divento invisibile.

E diventarne invisibile non posso avere un contratto di lavoro regolare. Non posso pagare le tasse. Perché sono invisibile. Non posso affittare un appartamento. E allora io cosa ho detto? Siccome questa legge Salvini secondo me è contro la Costituzione. La mia competenza del Comune è dare la iscrizione anagrafica tutti coloro che avevano la protezione umanitaria quando gli scade la protezione umanitaria. Io gli dò il permesso con l’iscrizione anagrafica, con la quale loro possono avere il permesso di soggiorno possono avere un contratto di lavoro con cui hanno il permesso di soggiorno.

Perché la cosa assurda quale é? Se non ho un posto di lavoro, non posso avere un permesso di soggirono, ma se non ho un permesso di soggirno non posso avere un posto di lavoro.

E allora come funziona adesso il meccanismo? Se io avevo una protezione umanitaria e questa protezione umanitaria è scaduta la legge Salvini ha abolito la protezione umanitaria.

Io perdo il permesso di soggiorno, vado dal sindaco e dico: ‚Caro sindaco io sto in via Raffaello numero 25 a Palermo.‘ Se tu c’hai un recapito Palermo vai all’ufficio del Comune e dici: ‚Io sono Leoluca Orlando ho un recapito a Palermo in via Raffaello 25. Chiedo di avere il certificato di iscrizione anagrafica e di residenza.‘  L’ufficio dirà ‚Non funziona‘, ma io dico ‚funziona: ci registreremo!‘

Perché gli uffici hanno paura. Ma io non posso per la paura dei dipendenti comunali distruggere un diritto di una persona. Io mi sono assunto responsabilità dopo che ho firmato il primo. Posso firmare 600, tanto se devo essere arrestato mi arrestano per uno o per seicento. Tanto vale che riconosco il diritto di 600 persone.

Ho letto una bellissima dichiarazione di una persona che non conosco e che ha chiesto l’iscrizione anagrafica. E io ho dato l’iscrizione anagrafica. Lui ha rilasciato in un’intervista a un giornale ha detto “Io non conosco il sindaco ma lo devo ringraziare perché mi ha dato adesso l’iscrizione alla grafica e finalmente posso pagare le tasse”.

Discorso fra Diawara B. e Leoluca Orlando nel municipio di Palermo, il 14. giognio 2019

Diawara B.: „Ich habe alles versucht: die Sprache gelernt, mich in die Kultur hineinbegeben, wirklich alles zu gemacht, um ein Palermitaner zu werden, so wie es sein muss; weil aus meiner Sicht hinter jedem Recht auch eine Pflicht steht. Also habe ich versucht, meine Pflicht zu erledigen.

Aber ich verstehe eine zentrale Sache nicht, nachdem ich mir soviel Mühe gegeben habe: Warum lehnt das Polizeipräsidium die Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung ab? Ich habe alle meine Papiere ausser meinen Reisepass.

Ich habe schließlich eines doch nicht verstanden: Bin ich ein Palermitaner oder bin ich keiner? Viele junge Leute sind in derselben Situation wie ich.“

Leoluca Orlando: „In dieser Situation müssen wir differenzieren zwischen den Kompetenzen der Kommune und den Kompetenzen des Polizeipräsidiums. Die Kommune kann die Person im Einwohnermeldeamt registrieren, das ist ihr Recht. Das aktuelle so genannten Sicherheitsdekret schreibt der Kommune vor, nicht zu melden, aber ich habe es dennoch gemacht.

Wir haben hunderte von Personen im Einwohnermeldeamt registriert, so erst werden diese Menschen sichtbar und können eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Also ist die zugrunde liegende Frage: Bist Du in Palermo gemeldet? Wenn nicht, melde dich sofort an, die Meldebestätigung wird dir gegeben. Was ist passiert? Das sogenannte Salvini Dekret [Sicherheitsdekret] ist ein Gesetz und hat den Schutz aus humanitären Gründen abgeschafft. Mit der Abschaffung des Schutzes aus humanitären Gründen, verliere ich also mit 18 Jahren den bisher existierenden Schutz als Minderjähriger. In diesem Moment werde ich unsichtbar. Ich kann kein Appartment mieten,

Also was habe ich gesagt? Aus meiner Perspektive ist dieses Salvini Gesetz gegen unsere Verfassung. Und es ist meine Kompetenz als Kommune, die Einwohner zu melden. Alle die den humanitären Schutz verloren haben, habe ich die Erlaubnis erteilt, sich in Palermo anzumelden, Damit haben sie Möglichkeit eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten und damit wiederum einen regulären Arbeitsvertrag, der wiederum die Aufenthaltsgenehmigung ermöglicht.

Was ist das den für eine absurde Situation? Wenn du keine Arbeit hast, bekommst du keine Aufenthaltsgenehmigung und wenn du keine Aufenthaltsgenehmigung hast, bekommst du keine Arbeit.

Wie funktioniert also der Mechanimus? Wenn mein humanitärer Schutz durch das Salvini Gesetz nicht mehr verlängert wird, habe ich keinen Schutz mehr. Ich verliere also meine Aufenthaltsgenehmigung, dann gehe ich zum Bürgermeister und sage:

‚Lieber Bürgermeister! Ich wohne in der Via Raffaello Nummer 25 in Palermo.‘ Wenn Du also einen Wohnort hast, kannst Du zum Einwohnermeldeamt gehen und sagen ‚Ich bin Leoluca Orlando und ich wohne in Palermo in der Via Raffaello 25. Ich möchte gerne im Einwohnermeldeamt registriert werden.‘ Das Amt wird sagen, ‚es geht nicht‘, aber ich sage, ‚das geht: Wir registrieren!‘

Das Amt hat Angst, aber ich kann nicht aus Angstgründen der kommunalen Angestellten, das Recht einer Person zerstören.

Ich trage die Verantwortung, darum habe ich auch die ersten persönlich registriert. Ich kann 600 anmelden. Denn, ob sie mich nun verhaften, sie verhaften mich für eine Person genauso wie für 600 Personen. Dann lohnt es sich doch für 600 Personen!

Ich habe eine wunderschöne Aussage in einem Zeitungsinterview gelesen, von einer Person, die ich nicht kenne und die sich im Einwohnermeldeamt hat registrieren lassen. Er sagte: ‚Ich kenne den Bürgermeister nicht, aber ich möchte mich bedanken, dass ich jetzt in der Stadt gemeldet bin. Ich kann jetzt endlich Steuern zahlen!’“

Gespräch zwischen Diawara B. und Leoluca Orlando im Rathaus von Palermo am 14. Juni 2019

Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, führte am 14, Juni 2019 ein gefilmtes Gruppengespräch mit einigen jungen Geflüchteten aus dem Giocherenda Workshop.

Aus diesem Gespräch ist der vorliegende Ausschnitt zwischen Diawara B. und dem Bürgermeister von Palermo.

Diawara B. kommt aus Mali und hat mit knapp 15 Jahren seine Familie verlassen, um in Algerien zu arbeiten. Er blieb ein Jahr und 7 Monate, arbeitete und legte Geld beiseite, um damit in Mali ein Geschäft zu eröffnen.  Als sich die Situation in Mali verschlechterte und er auch in Algerien immer schlechter behandelt wurde – „sie haben mich wie einen Affen behandelt, wie Bilal, ein ehemaliger Sklave, der vom Propheten Mohammed freigekauft wurde“ –  hat er im Spätsommer 2016 die Überfahrt nach Sizilien gewagt. Er kam als Minderjähriger und lebt seitdem in Italien. Nach einem Aufenthalt in einem Erstaufnahmezentrum in Sizilien, in dem er praktisch über drei Wochen eingesperrt war, kam er auf Umwegen im Dezember 2016 nach Palermo. Heute geht er auf ein internationales Gymnasium und hofft, seinen Abschluss machen zu können, um zu studieren.

Durch das sogenannte Sicherheitsdekret vom Oktober 2018 hat er vor kurzem seinen Aufenthaltsstatus verloren, wodurch er sich von einem Tag auf den anderen in einer äußerst prekären Situation befindet, die schlimmstenfalls mit dem Verbot einher gehen könnte, nicht mehr zur Schule gehen zu dürfen.

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