Niemandsland

Am 8. Februar 1940 begab sich Pese R. für ein Interview ins Büro des „Komitees zum Sammeln von Material über die Zerstörung jüdischer Gemeinden in Polen 1939“ im litauischen Vilnius. Sie war eine von vielen polnisch-jüdischen Geflüchteten, die in Vilnius Zuflucht gefunden hatten.

Am 8. Februar 1940 begab sich Pese R. für ein Interview ins Büro des „Komitees zum Sammeln von Material über die Zerstörung jüdischer Gemeinden in Polen 1939“ im litauischen Vilnius. Sie war eine von vielen polnisch-jüdischen Geflüchteten, die in Vilnius Zuflucht gefunden hatten.

In ihrem Interview erzählt Pese über ihre Erfahrungen der Flucht vor den deutschen Besatzern und die erlebten Verbrechen Deutschlands. Die Niederschrift des vollständigen Interviews ist im We Refugees Archiv zu finden.

Pese R. sowie knapp drei Tausend weiteren jüdischen Suwałker*innen gelang Anfang 1940 die Flucht nach Litauen. Doch nicht alle hatten so viel Glück: Während die Deutschen jüdische Pol*innen der Region massenweise in den Raum Lublin deportierten und sie umbrachten, starben andere auf der Flucht.

Im „Niemandsland“ nahe Suwałki wagten viele die riskante Grenzüberquerung nach Litauen, die sie oft das Leben kostete, andere nahmen sich hier aus Verzweiflung das Leben oder wurden buchstäblich wahnsinnig. Über diese katastrophale Situation berichtete eine Delegation von Gesandten unterschiedlicher jüdischer Hilfsorganisationen im November 1939.

Mit ihrem Interview steuerte Pese R. essenziell dazu bei, die deutschen Verbrechen in Polen für die Nachwelt zu dokumentieren. Ihr weiteres Schicksal ist ungewiss. Wagte sie in Vilnius einen temporären Neuanfang? Gelang es ihr, weiterzufliehen, bevor Deutschland Litauen im Juni 1941 besetzte und die jüdische Bevölkerung fast vollständig ermordete?

Die alteingesessene jüdische Gemeinde Suwałkis wurde im Holocaust zerstört und existierte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Nur der jüdische Friedhof erinnert noch heute an die jüdische Geschichte der Stadt.

Textexzerpte aus:
Wiener Library Document Section 532, Series 1, frames 0084–0087

Übersetzung:
Miriam Schulz

Stimme:
Tal Hever-Chybowski

Skript:
Kristof Gerega (Schuldenberg Films)
Miriam Schulz

Regie:
Kristof Gerega (Schuldenberg Films)

Kamera:
Anton Yaremchuck

Schnitt:
Kristof Gerega

Produktion:
Schuldenberg Films

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