„Es gibt ein Leben nach der Flucht, doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang.“

Ilija Trojanow ist als Kind zusammen mit seiner Familie aus Bulgarien geflohen, eine Erfahrung, die ihn bis heute nicht mehr los lässt. Virtuos, poetisch und klug reflektierend erzählt Ilija Trojanow von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter. Von der Einsamkeit, die das Anderssein für den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon, wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten am Ort seines neuen Daseins zählt. Was das Existieren zwischen zwei Sprachen mit ihm macht. Welche Lügengeschichten man als Geflüchteter den Daheimgebliebenen auftischt. Und dass man vor der Flucht wenigstens wusste, warum man unglücklich war.

„Der Flüchtling ist meist Objekt

Ein Problem, das gelöst werden muss. Eine Zahl.
Ein Kostenpunkt. Ein Punkt. Nie ein Komma. Weil
er nicht mehr wegzudenken ist, muss er Ding bleiben.

Es gibt ein Leben nach der Flucht. Doch die Flucht
wirkt fort, ein Leben lang. Unabhängig von den
jeweiligen individuellen Prägungen, von Schuld,
Bewusstsein, Absicht, Sehnsucht.

Der Geflüchtete ist eine eigene Kategorie Mensch.“

1971, kurz vor seiner Einschulung, flohen seine Eltern mit ihm über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie in München politisches Asyl erhielten.

Im Mai 2017 erschient der Essay Nach der Flucht (S. Fischer), in dem Ilija Trojanow poetisch und reflektierend von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter erzählt und damit eine Topographie des Lebens nach der Flucht entwirft.

 

Trojanow, Ilija, 2017: Nach der Flucht. S. Fischer Verlag: Frankfurt am Main, p. 9.

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