„Heimat sind die Erinnerungen“

Widad Nabi beschreibt in einem Interview, was Heimat und Zukunft für sie bedeuten.

Widad Nabi © Minor KontorWas bedeutet Heimat für dich?

„Heimat sind die Erinnerungen.
Deine Kindheit.
Dein erster Test des Lebensvokabulars wie Liebe, Hass, Vergessen, der Schmerz, Freude.
Heimat ist das Bild des Exils, bevor Du es weißt.“

Was wünschst Du dir für deine Zukunft?

„Etwas von dem, was ich geträumt und gewünscht habe.
Dann habe ich alles verloren.
Ich warte nicht mehr auf etwas in der Zukunft.
Nicht mehr.“

Wie gehst Du mit deiner Vergangenheit um? Welche Erinnerungen beschäftigen dich?

„Manchmal schreibe ich über die Vergangenheit, um nervige und schmerzhafte Erinnerungen loszuwerden.

Einige Erinnerungen, über die ich nicht gerne schreibe.
Denn bis heute konnte ich sie in meinem Leben nicht akzeptieren.
Sie besuchen mich in Form von Albträumen.
Mein Leben macht mir am Tage Sorgen“.

Widad Nabi wurde in Kobani geboren und lebt heute in Berlin. Die syrisch-kurdische Schriftstellerin studierte Wirtschaftswissenschaften in Aleppo. Sie veröffentlichte zahlreiche Texte in Zeitungen und Magazinen. In Deutschland publizierte sie u.a. in der Berliner Zeitung, SPON und Kursbuch. Ihr erstes Buch auf Deutsch erschien 2019. Im Jahr 2018 erhielt sie das erste „Weiterschreiben-Stipendium Wiesbaden“.

In ihren Texten beschäftigt sich Widad Nabi mit dem Verlust von vertrauten Orten, Menschen und Sprachen, aber auch mit ihrem Ankommen in der neuen Stadt Berlin. Ihre bei Weiterschreiben veröffentlichten Gedichte können dort auch angehört werden.

In einem schriftlichen Interview mit We Refugees Archive antwortete Widad Nabi im Juli 2020 auf Fragen, die ihr Leben in Berlin, ihre Erinnerungen und Hoffnungen betrafen.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Widad Nabi.

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