Istanbul ab 1933 – Rettungszentrum unter Vorbehalt

Die Metropole am Bosporus avancierte für viele Fliehende in den 1930ern zu einer wichtigen, wenn auch oft vergessenen, Transit- und Zufluchtsstadt. Als Verbindungsstelle zum asiatischen Kontinent spielte Istanbul eine besondere Rolle für viele Jüdinnen:Juden auf dem Weg in das britische Mandatsgebiet Palästina. Doch der steigende Emigrationsdruck auf von Nationalsozialist:innen Verfolgte traf auch auf nationalistische Eigeninteressen der noch jungen Republik Türkei, die die Einwanderung eines Teils der vertriebenen intellektuellen Elite zur Unterstützung ihres Modernisierungsprogramms durchaus willkommen hieß und gar förderte. Diese Synergie verwandelte Istanbul in ein Rettungszentrum – wenn auch für viele unter Vorbehalt. Heute wird dieses Kapitel der Fluchtmigration teilweise als Sternstunde humanitärer Aufnahmepolitik, teilweise als entscheidende Phase des türkisch-nationalistischen Modernisierungsprogramms, teilweise als Übergriff mit orientalistischen und kolonialen Motiven, 11Regine Erichsen, 2021: „Bildungshilfe“ oder „postkolonialer Übergriff“? Zum Stand bisheriger Forschung. https://regineerichsen.com/forschungsrahmen (20.09.2021) aber vor allem gar nicht erinnert. Wenn ja, wird es vor allem mit Vertretern der deutschen Elite gleichgesetzt. Doch lässt sich die Fluchtmigration auf diese Elite durchaus nicht begrenzen. Die Geflüchtetengemeinschaft war ethnisch heterogen und repräsentierte alle gesellschaftlichen Klassen. Sie fügte sich in Istanbul in eine jahrhundertealte Geschichte der Migration und wurde immer mehr zum Spielball der intensiven deutsch-türkischen Beziehungen.

    Fußnoten

  • 1Regine Erichsen, 2021: „Bildungshilfe“ oder „postkolonialer Übergriff“? Zum Stand bisheriger Forschung. https://regineerichsen.com/forschungsrahmen (20.09.2021)

Als im Laufe der Jahre um die 1000 exilierte Wissenschaftler:innen aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Türkei kamen, war die Republik erst 10 Jahre alt. Im Oktober 1923 rief Mustafa Kemal, der ab 1935 den Beinamen Atatürk – Vater der Türken – erhielt, die Republik aus. Als ihr erster Präsident setzte er einen Modernisierungskurs radikal um. Zu der nach ihm benannten kemalistischen Politik gehörte ein kompromissloser Laizismus, das Streben nach einer „einheitlichen türkischen Nation“ – auf Kosten der im türkischen Staatsgebiet lebenden Minderheiten –, die Einführung eines auf lateinischen Lettern basierendem türkischen Alphabets und die Umstrukturierung des Bildungswesens nach europäischem Vorbild. Durch Letzteres sollte eine neue Generation türkischer Verantwortungsträger:innen herangezogen werden, die die Umstrukturierung aller Bereiche der türkischen Gesellschaft und des Staatswesens umsetzen sollten. 22Klaus Kreiser, 2014: Mustafa Kemal Atatürk. BpB (11.08.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184970/atatuerk (16.09.2021).

In bewusster Abgrenzung zur osmanischen Vergangenheit wurde Ankara – und nicht Istanbul – zur Hauptstadt der jungen türkischen Republik erklärt. Allerdings behielt die Metropole Istanbul weiterhin eine zentrale politische, kulturelle und wirtschaftliche Stellung und wurde auch in das Bildungsreformprogramm mit eingebunden: Mit der Gründung der İstanbul Üniversitesi im Rahmen des kemalistischen Modernisierungsprogramms im Jahr 1933 begann die Suche und Anwerbung von Expert:innen seitens der türkischen Regierung.

Die Annahme, dass „Moderne“ am besten aus Europa bzw. dem „Westen“ zu importieren und in die türkische Republik zu kopieren sei, lenkte den Fokus somit auf europäische Fachleute. Zur selben Zeit übernahmen in Deutschland die Nationalsozialist:innen die Macht. Durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 wurden Beamte „nicht arischer Abstammung“ aus ihrem Dienst entlassen. Das betraf auch viele Angestellte von Hochschulen, die als Jüdinnen:Juden oder wegen ihrer politischen Haltung entlassen und von den Nationalsozialist:innen verfolgt wurden. Sie suchten händeringend nach Möglichkeiten, der Verfolgung zu entkommen und das Land zu verlassen. Sie wurden dabei von der 1933 gegründeten konfessionsübergreifenden und antirassistischen Selbsthilfeorganisation „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ 33P. Schwartz (hrsg. und eingeleitet von Helge Peukert), 1995: Notgemeinschaft. Zur Emigration deutscher Wissenschaftler nach 1933 in die Türkei, Marburg. unterstützt, die ab 1933 schwerpunktmäßig in die Türkei vermittelte. Diese Synergie aus türkischen Nationalen Interessen und denen der deutschen Emigrant:innen verwandelte Istanbul in ein Rettungszentrum – wenn auch für viele unter Vorbehalt.

Istanbul als Einwanderungsmetropole und Zufluchtsstadt

Istanbul war als multikulturelle Großstadt, als politisches Zentrum und wirtschaftlicher und intellektueller Dreh- und Angelpunkt von jeher auch Ziel und Transitort von Migration verschiedenster Gruppen und Einzelpersonen.

Viele tausende russische Emigrant:innen, die nach der Revolution 1917 und dem folgenden Bürgerkrieg die sowjetischen Gebiete verließen, versuchten in Istanbul Zuflucht zu finden. Unter ihnen waren viele Künstler:innen und Publizist:innen, die insbesondere im Bezirk Beyoğlu ein reges kulturelles und intellektuelles Leben aufbauten. 44Siehe dazu Ekaterina Aygün, 2021: A Walk Through the Russian „Montparnasse“ in Istanbul. https://walks.metromod.net/walks.p/17.m/istanbul (16.09.2021).

Auch Deutsche aus unterschiedlichen politischen Lagen waren vermehrt nach der Gründung der Republik im Jahre 1923 nach Istanbul gekommen: Sie knüpften an die alten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei an und wurden schon zu dieser Zeit gezielt für das Modernisierungsprogramm angeworben. 55Vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021).

Ab 1933 wiederum schaute eine wachsende Zahl an ehemaligen Angestellten deutscher Hochschulen, die als Jüdinnen:Juden oder wegen ihrer politischen Haltung entlassen wurden und nun nach Möglichkeiten suchten, der Verfolgung durch die  Nationalsozialist:innen durch Flucht zu entkommen, u. a. nach Istanbul als Rettung und fanden sie teilweise dort.

Für viele war Istanbul eine Karrierechance. Die Privilegien, die mit einer Emigration in die Türkei einhergingen, steigerten gleichzeitig das geschundene Selbstwertgefühl vieler – türkischer Utilitarismus dahingestellt. So empfand es beispielsweise der Jurist Ernst Eduard Hirsch, der als einer der jüngsten Emigranten-Professoren an die Universität Istanbul berufen wurde:

Da stand ich nun, ein in der deutschen Heimat als Jude mißachteter, wegen seiner „minderwertigen“ Rasse aus seinen Ämtern verjagter, unter Aufgabe von Heim und Herd ins ausländische Exil emigrierter „Réfugié“ „weiter hinten in der Türkei“ inmitten eines von Kristall, Alabaster, Marmor, Porphyre, Intarsien strotzenden, mit kostbaren Möbeln Teppichen und Gemälden ausgestatteten ehemaligen Thronsaal als einer zu den oberen Tausend gerechneter deutscher Professor! Es war eine Sternstunde, die zu erleben mir gleich zu Beginn meiner türkischen Jahre vergönnt war. 66Ernst E. Hirsch auf einem türkischen Regierungsempfang am 28.Oktober 1938, Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, p. 191.

Und trotz Rettung, das war auch Hirsch klar, war das türkische Migrationsregime weder altruistisch noch statisch. Es ging nicht darum, politisch und rassistisch Verfolgte zu retten, sondern hoch qualifizierten Fachkräften, Wissenschaftler:innen und bereits angesehenen Kulturschaffenden und Künstler:innen (insbesondere Männer) für den eigenen Nutzen zu gewinnen und gleichzeitig die (wirtschaftlichen) Beziehungen zu Deutschland aufrechterhalten zu können. 77Für 1939 bezifferte der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes die Zahl der in „amtlichen und halbamtlichen“ Stellen in der Türkei tätigen Deutschen mit 2000. Hier wurden Emigrant:innen mitgezählt und für das Ansehen des ‚Deutschtums‘ im Ausland vereinnahmt — auch wenn sie gleichzeitig wegen politischer Aktivitäten und wegen ihres Jüdischseins, bzw. aufgrund der ‚Rassengesetzgebung‘, ausgebürgert wurden. Vgl dazu: Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 261-63. Dies führte dazu, dass deutsche Exilierte in Istanbul zunächst als eine recht homogene Gruppe der intellektuellen Elite erschien. Der zweite Blick zeigt jedoch ein heterogeneres Bild.

Ernst Eduard Hirschmit Studierenden. Privates Archiv, mit freundlicher Genehmigung von Enver Tandoğan Hirsch
Ernst Eduard Hirsch mit Studierenden. Privates Archiv, mit freundlicher Genehmigung von Enver Tandoğan Hirsch

Die deutsche Exil-Gesellschaft in Istanbul: Homogen und divers zugleich

Die Historikerin Corry Guttstadt berechnete, dass von 1933 bis 1945 insgesamt 85 in Deutschland oder Österreich verfolgte Wissenschaftler – es waren ausschließlich Männer (69 Juden und antisemitisch Verfolgte und 16 politisch Oppositionelle) – als Professoren, Institutsleiter, Berater türkisch-staatlicher Stellen oder in vergleichbaren Positionen tätig waren. Weitere 72 Personen (63 Jüdinnen:Juden und 9 politische Geflüchtete) fanden Anstellung als Dozenten, Assistent:innen, Lektoren, Laborant:innen usw. 112 Jüdinnen:Juden arbeiteten in der Privatwirtschaft oder schlugen sich mit diversen Jobs durch. Mit allen nachgezogenen Familienangehörigen zusammen betrug die Gesamtzahl aller im Deutschen Reich als Jüdinnen:Juden Verfolgten 500 bis 600, die in der Türkei legal Exil fanden.

Zusätzlich zu jüdischen Geflüchteten und Angeworbenen fanden sich ab 1933 in Istanbul jedoch auch „politisch“ gekennzeichnete Katholik:innen und Protestant:innen sowie Liberale, Sozialdemokrat:innen und Kommunist:innen. 88Fritz Neumark, 1980: Zuflucht am Bosporus. Deutsche Gelehrte, Politiker und Künstler in der Emigration 1933-1953, Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main, p. 23-27. Sie bildeten eine eigene Community von Emigant:innen neben der bereits bestehenden deutschen Community der sogenannten „Reichsdeutschen“, Diplomaten, Missionar:innen, Konservativen, Nationalsozialist:innen und Wirtschaftsmigrant:innen. 99Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, S. 220; vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021). So hatten vertriebene Neuzugewanderte, die gezwungenermaßen oder freiwillig der Anti-Hitler-Bewegung angehörten, an der Universität neben den türkischen Kolleg:innen „Seite an Seite mit Nazi-Gelehrten zu arbeiten“ und zu leben. 1010Kemal Bozay, 2001: Exil Türkei. Ein Forschungsbeitrag zur deutschsprachigen Emigration in der Türkei (1933-1945), Münster, p. 97; Kader Konuk, 2010: East West Mimesis. Auerbach in Turkey, Stanford, p. 175.

Die neue deutsche Community aus jüdischen und politischen Geflüchteten wurde von den türkischen Behörden als „Emigranten“ eingestuft und bezeichnete sich selbstironisch als „Kolonie B“ in Abgrenzung zur „Kolonie A“ der sogenannten „Reichsdeutschen“, die oft nationalsozialistische Sympathien hegten und offen antisemitisch waren. Doch die Einstufung hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die Rechtsstellung und auf die Möglichkeiten eines wie auch immer gearteten Neuanfangs. Wer als „Emigrant“ zählte, musste „Reichsfluchtsteuer“ bezahlen, sein Besitz wurde in Deutschland beschlagnahmt, später folgte häufig die Ausbürgerung. Obwohl die nationalsozialistischen Deutschen in Istanbul Kontakte mit den exilierten Deutschen zu unterbinden versuchten und Letztere sich aus Furcht vor Überwachung von diesen fernhielten, kam es doch immer wieder zu Begegnungen, zum Beispiel im 1924 wiedereröffnete deutschen Klub „Teutonia“ oder dem Lokal des Gastwirts Hans Fischer. 1111Vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021).

Viele der deutschen Wissenschaftler:innen siedelten sich auf der europäischen Seite Istanbuls, in der Nähe der Institutionen an, an die sie für Lehre und Forschung berufen wurden: der Akademie der Schönen Künste, der Universität Istanbul und der Technischen Universität. Im Stadtteil Beyoğlu und Pera mit seiner „europäischen“ und internationalen Atmosphäre, in Laufnähe zu Botschaften, ausländischen Schulen, kulturellen Institutionen und vertrauten Restaurants und Buchläden, gut angebunden an die städtischen Verkehrsmittel und gleichzeitig gegenüber der Altstadt Stambul, suchten sich viele deutsche Emigrant:innen ein Zuhause. Sie nutzten die Strukturen, die bereits seit Jahrhunderten in dem wichtigen internationalen Handelsviertel geschaffen wurden. Auch im peripherer gelegenen Stadtteil Bebek, in dem sich ab dem 19. Jahrhundert die osmanische Elite eine halbwegs abgeschlossene Welt der höheren Klasse aufgebaut hatte, fanden einige Emigrant:innen neben anderen zugezogenen und oft gutgestellten Minderheiten ein Zuhause und wohnten in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. 1212Vgl. Burcu Dogramaci; Rachel Lee, 2019: Refugee Artists, Architects and Intellectuals Beyond Europe in the 1930s and 1940s: Experiences of Exile in Istanbul and Bombay. ABE Journal (14-15). https://doi.org/10.4000/abe.5949 (17.09.2021). Der Blick auf den Bosporus und das Marmara-Meer wurde in den zeitgenössischen Schilderungen und Erinnerungen der Emigrant:innen zum prägenden Eindruck und Seelenspiegel des Istanbuler Exils:

Aber ich sitze hier im Hotel, bald in unserem hübschen Haus, sonst am Tage in meinem Saal in der Akademie. Wenn sie da hineinkommen, so sehen Sie hinter 6 Riesenfenstern das Marmarameer, als wenn die Wellen hineinschlagen könnten, die Boote, Kormorane, Möwen, und ich sehe von meinem Platz die Hagia Sophia  / Wie die Boote draussen, so schwimmen meine Möbel in dem Saal, und so schwimme ich in meinem Amt. 1313Brief von Bruno Taut an Isaburo Ueno, 29.11.1936. Akademie der Künste (Academy of Arts), Berlin, Bruno-Taut-Sammlung, (Bruno-Taut-Collection), Nr. 9, 439.

Zeichnungen des Bosporus von Bruno Taut in einem Brief an Tokugen Mihara vom 8. August 1938. Akademie der Künste Berlin, Bruno-Taut-Sammlung, Nr. 145
Zeichnungen des Bosporus von Bruno Taut in einem Brief an Tokugen Mihara vom 8. August 1938. Akademie der Künste Berlin, Bruno-Taut-Sammlung, Nr. 145.

Aber die deutschen Exilierten fügten sich nicht nur in den städtischen Raum ein, sondern prägten diesen auch mit: Gerade diejenigen, die geholt worden waren, um die türkische Stadtplanung und die Architektur zu „modernisieren“, hinterließen in diesen Funktionen bauliche Spuren, die bis heute das Bild der Stadt mitprägen. Zu ihnen zählten vor allem Vertreter des Neuen Bauens wie Bruno Taut (1880-1938), Martin Wagner (1885-1957) und Franz Hillinger (1895-1973).

In den städtischen Räumen Istanbuls spiegelt(e) sich die Vielfalt der Stadtbevölkerung wider: Die verschiedenen Stadtteile östlich und westlich des Bosporus – auf der asiatischen und europäischen Seite der Stadt – unterschieden sich stark in ihrer Architektur, Infrastruktur und Atmosphäre. Somit boten sie auch verschiedene Anknüpfungspunkte, Lebensumfelder und Kontaktzonen für die Emigrant:innen, die sich an ihren Arbeitsorten, in Cafés, privaten Wohnungen usw. trafen und Netzwerke bildeten. In gewissem Sinne wie die Stadt selbst war auch die Geflüchtetengemeinschaft zweigeteilt.

Denn es emigrierte nicht nur offiziell von der türkischen Regierung angeworbenes wissenschaftliches Fachpersonal nach Istanbul. Auch (deutschsprachige) Männer, Frauen und Kinder unterschiedlicher Klassen und Schichten kamen zu Pferd, mit Schiffen, Zügen, dem Kanu, dem Fahrrad – oder sie passierten die türkische Grenze zu Fuß. Exemplarisch lässt sich hier die Fluchtgeschichte von Susanne Friedmann-Kirsch anbringen, die als Teenager mit ihrer Familie aus Wien mehrere Jahre erratisch durch Südosteuropa floh, einige unruhige und arme Monate in Istanbul verbrachte und letztlich in ein Internierungslager in Palästina gelangte.

Privilegien, Netzwerke und ihre Schattenseiten

Im Laufe des Oktobers [1933, Anm. der Autorin] trafen beinahe alle meine Freunde mit ihren Familien, Schwestern, Müttern, Schwiegermüttern und — Assistenten ein. Man sah sie, etwa 150 Menschen, überall, am Taksim-Platz, in der Istiklal Caddesi, in den Moscheen, Museen, auf Schiffen, auf den Inseln und vor allem an den Badestränden. Sie kamen direkt aus Deutschland, wo sie verachtet und verfolgt ihre oft alten Patrizierhäuser verließen; oder aus bescheidenen Boardinghäusern Englands, aus überbevölkerten, billigen Pariser Pensionen, in welchen sie als bedrängte Emigranten weilten. Nun lebten sie, in glücklicher Erregung, von einem gastfreundlichen Volk umgeben, frei, als verehrte, ja, verwöhnte Einwanderer. An den Abenden versammelten sie sich auf der Terrasse des Park Hotels (Park Oteli), ihres Hauptquartiers, in unendliche Gespräche über fröhliche Erlebnisse des Tages vertieft oder in stiller, andächtiger Bewunderung des Bosporus, der kleinasiatischen Küste, des Serays, der Marmara, der stark funkelnden Sterne und des zunehmenden Mondes, der hier — wie auf den byzantinischen und türkischen Miniaturen — im dunkelblauen Himmel horizontal, einer Barke ähnlich, schwebte. 1414Philipp Schwartz, Istanbul 1933. Horst Widmann zitiert Philipp Schwartz in: Exil und Bildungshilfe. Die deutschsprachige akademische Emigration in die Türkei nach 1933, Peter Land: Frankfurt a. M., 1973, p. 60.

Die ausschließlich männlichen, deutschsprachigen sogenannten Emigranten-Professoren der Istanbul Universität konnten ein gesichertes Leben in Istanbul beginnen und bildeten eine Gruppe von „verwöhnten“ Elite-Emigranten mit Arbeitsverträgen, die ihnen ein festes Einkommen garantierten und damit auch ein – zumindest „zeitlich begrenztes – Aufenthaltsrecht, das sie durch die Annahme der türkischen Staatsbürgerschaft verstetigen konnten.

Diese intellektuelle Elite versuchte oft, ihr “deutsches” Leben in einer Art Parallelwelt fortzusetzen. Es entwickelte sich eine „Emigrantenmentalität des Meckerns über die Sitten und Gebräuche des fremden Landes”, so erinnerte sich Ernst E. Hirsch, gepaart mit einem “Festhalten-Wollen, an dem, was ‚bei uns‘ üblich ist.“ 1515Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, Zitat S. 195. Er sah in der deutschen Professoren-Kolonie eine ‚fremde‘, zunächst nicht integrierte und, wie sich im Laufe der Jahre zeigte, nicht integrierbare kleine Minderheit, die für die türkische Öffentlichkeit um so anstößiger wirkte, als sie sich nicht nur ethnisch und religiös von der Masse des Volkes und hinsichtlich ihrer Anstellungsverträge von ihren türkischen Kollegen abhob, sondern auch ihre Sprache, ihre Gebräuche und Sitten beibehielt und sich weder assimilieren wollte noch, selbst wenn sie es gewollt hätte, konnte.

Wir waren ‚die ausländischen Professoren‘ und blieben es für die Masse des Volkes selbst dann noch, als einigen von uns — darunter auch mir — nach einer zehnjährigen Tätigkeit die türkische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. 1616Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, p. 196.

Durchaus verständlich fanden viele ihr Exil schwierig und belastend, aber während beispielsweise Exilant:innen in Paris dachten, sich in der vielbeschworenen Hauptstadt westlicher Zivilisation wiederzufinden, oder fliehende Jiddischisten sich in Vilnius im mythenumragten “Jerusalem von Litauen” wähnten, zeugt die weitverbreitete Einstellung gegenüber Istanbul von tiefsitzenden kulturellen Überlegenheitsgefühlen und orientalistischen Stereotypen: Gerade die Anerkennung, die ihnen als Angehörigen der intellektuellen, „westlichen“ Elite entgegengebracht wurde und die hinter dem türkischen Programm stehenden Logiken europäischer Vorreiterschaft, bestätigten viele Professor:innen in dieser Selbst- und Fremdwahrnehmung. In diesem Sinne konnte Fritz Neumark zu einem Schluss kommen, der durchaus nur auf eine bestimmte Gruppe von Geflüchteten in Istanbul passte:

Aber ich glaube, daß nirgendwoanders die relative Bedeutung von Emigranten aus dem ‚Dritten Reich‘ so groß und ihre Arbeit so nachhaltig wirksam gewesen ist wie in der Türkischen Republik. 1717Fritz Neumark, 1980: Zuflucht am Bosporus. Deutsche Gelehrte, Politiker und Künstler in der Emigration 1933-1953, Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main, p. 8.

Absurderweise wurde diese Ansicht zunächst auch von den nationalsozialistischen Behörden geteilt, die in dem Aufnahmeprogramm ein nützliches Prestigeprojekt der deutschen Auslandspropaganda und der Ansicht sahen, dass das ‚überlegene‘ deutsche Kultur- und Wissensgut in die Welt getragen werden müsse. 1818Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021). Geflohene Emigranten-Professoren wiederum hofften dagegen, dass die nationalsozialistische Herrschaft ein baldiges Ende finden und ihnen eine Rückkehr nach Deutschland, mit dem sie sich weiterhin verbunden fühlten, möglich werden würde. So beschrieb der Stadtplaner Martin Wagner seinen Aufenthalt in Istanbul als „Wartesaal erster Klasse“. 1919Brief Martin Wagner an Ernst May 1935. HL 7/510x-7/511x, Istanbul, Kadiköy-Moda, Moda-Köskü, am 2 Dez. 1935.

Die deutschsprachige Community der Neuzugewanderten nutzten die bereits vorhandene Infrastruktur und schufen sich eigene wissenschaftliche, musische und freundschaftliche Netzwerke. Dies ist nicht nur mit dem Unwillen, sich der Istanbuler Gesellschaft zu öffnen, zu erklären. Für den Neuanfang im Istanbuler Exil war dies aus vielen Gründen sehr wichtig: Das Land unter Atatürk befand sich in einem radikalen Umbruch und war beherrscht von einer Atmosphäre der Anspannung und des allseitigen Misstrauens, wie die Emigrantin Lieselotte Diekmann beschreibt. Ständige Überwachung durch die reichsdeutschen Stellen wie auch die türkische Geheimpolizei war die Regel. Die Modernisierungspolitik, die ohne Vorbereitung des türkischen Umfeldes Deutsche mit Chefpositionen betraute, tat ein Übriges, um weiteres Misstrauen und -gunst zu verbreiten. Denn die privilegierte Behandlung im Vergleich zum türkischen Personal, das schlechter bezahlt oder gar entlassen wurde, um den deutschen Professoren Platz zu machen, führte zu Unmut unter diesen Kolleg:innen.

Die Krankenhäuser waren türkisch, die Schwestern, die Unterärzte, die Hilfskräfte waren türkisch — nur an der Spitze thronte und litt einsam der ausländische Professor, der zwar meist eine Kapazität war, dessen Anweisungen sich jedoch alle schweigend widersetzten. 1919Liselotte Dieckmann: Akademische Emigranten in der Türkei, In:  Egon Schwartz/Matthias Wegner (Hrsg.) 1964: Verbannung. Aufzeichnungen deutscher Schriftsteller im Exil. Hamburg: Christian Wegner Verlag, pp. 122-126, Zitat p. 124.

Kulturelle Netzwerke ersetzten zudem oft politischen Aktivismus, den die türkische Seite ausdrücklich verbot. Denn das Land hatte lange versucht, sich im Zweiten Weltkrieg neutral zu halten und das Aufnahmeprogramm für die aus Deutschland Vertriebenen nicht als Ausdruck ihrer Opposition gegen (das nationalsozialistische) Deutschland verstanden zu wissen. Schließlich war das Deutsche Reich der wichtigste wirtschaftliche Partner der Türkei und die politischen Verbindungen weiterhin eng. Ausweisungen bei Nichtbeachtung des Verbotes der Ausreise wurden nicht nur angedroht, sondern auch vollzogen. Doch ganz unterdrücken konnte man den Aktivismus nicht. So wurde der kommunistische Kreis um die politisch aktive Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) trotz der Gefahren politisch aktiv.

Margarete Schütte-Lihotzky und Wilhelm Schütte in Istanbul, 1938. © Margarete Schütte-Lihotzky, Erinnerungen aus dem Widerstand, hrsg. von Chup Friemert, Berlin: Volk und Welt, 1985, p. 49.

Innerhalb des Istanbuler deutschsprachigen Community-Lebens wurden in den 1930er Jahren Unterstützungssysteme für die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppierungen etabliert. Der Emigranten-Hilfsauschuss der Jüdischen Gemeinde in Istanbul ist hier ein prominentes Beispiel. Doch oft waren es einzelne Personen, die den Neuankommenden bei der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten, Wohnraum und häufig notwendigen psychischen Beistand halfen. So engagierte sich ein jüdischer Emigrant aus Wien, der ein großes Textilgeschäft auf der Grand Rue de Pera in Istanbul besaß, indem er Emigrant:innen anstellte oder Kleidungsstücken an bedürftige Geflüchtete verschenkte. Ein weiteres Einzelbeispiel ist der Leiter des Deutschen Krankenhauses, Dr. Quincke, der finanziell und mit unentgeltlicher Behandlung unterstützte.

Doch auch Ehefrauen der Emigranten-Professoren boten neben der obligatorischen Haus- und Pflegearbeit oft solidarische Unterstützung an. Für die neuankommenden (Ehe-)Frauen gab es zentrale Ansprechpartnerinnen in Istanbul, die beim Einstieg in das Istanbuler Alltagsleben halfen und Emigrantinnen mit Näh- oder anderen Hausarbeiten beschäftigen. Als zentrale soziale Instanz wird immer wieder das Ehepaar Leonore und Kurt Kosswig genannt, in dessen Haus in Bebek sich Emigrant:innen regelmäßig zu kulturellen Veranstaltungen oder „Privatakademien“ versammelten. Hier gründete Kurt Kosswig auch gemeinsam mit anderen Emigranten wie Ernst Reuter und entgegen der Auflage, keinen politischen Aktivitäten zu betrieben, den „Deutschen Freiheitsbund“, in dem unter anderem ein Pamphlet unter dem Titel „Was soll werden“ zur Wiederherstellung der Demokratie in Deutschland erarbeitet wurde. 2020Burcu Dogramaci; Rachel Lee, 2019: Refugee Artists, Architects and Intellectuals Beyond Europe in the 1930s and 1940s: Experiences of Exile in Istanbul and Bombay. ABE Journal (14-15). https://doi.org/10.4000/abe.5949 (17.09.2021); Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 257.

Das Haus der Kosswigs, im Hintergrund Sammlung. Private Sammlung, mit freundlicher Genehmigung von Burcu Dogramaci
Das Haus der Kosswigs, im Hintergrund Sammlung. Private Sammlung, mit freundlicher Genehmigung von Burcu Dogramaci

Während die Unterstützungsnetzwerke, wie auch in Paris und Vilnius, Ausdruck des migrantischen Widerstands sind, weisen sie gleichzeitig auf die Kehrseite der Fluchtmigration hin: wirtschaftliche und rechtliche Unsicherheit, die sich mit der sich radikalisierenden türkischen Migrationspolitik nur verschärfte. “Es gab zweierlei Emigranten,” erinnert uns Elfriede Alfandari, Tochter des jüdischen Buchhändlers Anton Karo, dessen Deutsche Buchhandlung am Tünel ein fester Treffpunkt für Exilant:innen und Antifaschist:innen war.

Es gab die Reichen, und es gab die Armen. […] Die Professoren, […] die hatten es gut, abgesehen davon, daß sie sicher Heimweh hatten oder daß sie nicht die Arbeitsmöglichkeiten fanden, die sie in Deutschland hatten. […] Aber es gab so viele, denen es sehr schlecht ging. Und auch die habe ich bei meinem Vater getroffen. […] Viele kamen, lasen die Zeitung von morgens bis abends, wärmten sich im Geschäft. Es gab Viele, die versuchten, Selbstmord zu begehen, weil sie nicht weiter konnten. […] Die Leute kamen hierher mit dem Paddelboot, gingen über die Grenze, irgendwie kamen sie. Also Sie wissen nicht, was es war damals: diese Angst, diese Lebensangst. Nein, man kann sich das nicht mal vorstellen. 2121Interview von Anne Dietrich mit Elfriede Alfandari, geb. Karon, Istanbul 02.12.1991. in: Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 264.

Prekarität

Während rund 40 der prominenten jüdischen und dutzende nichtjüdische Geflüchtete mit ihren Angehörigen weniger als zwei Jahre in der Türkei blieben, tauchen viele dieser nichtprominenten Geflüchteten nicht in den türkischen Statistiken auf. Alle neuankommende Ausländer:innen hatten jedoch die Auflage, sich bei der Fremdenpolizei zu melden und eine Personalkarte zu beantragen. „Einen solchen Ausweis zu erhalten, machte für ausländische, von der Regierung berufene Professoren keine Schwierigkeiten,” erinnert sich der jüdische Emigrant Fritz Neumark, “wohl aber für manche in weniger günstiger Position lebende Emigranten.“ Restriktive Bestimmungen, die für viele Berufe ausschließlich türkische Anwärter:innen vorsahen, zwangen viele Geflüchtete zum illegalen Aufenthalt. Menschen, die sich (gezwungenermaßen) den Formalitäten entzogen, mussten mit ständiger Festnahme und Ausweisung rechnen. 2222Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 263. Denn alle, die keinen festen Arbeitsvertrag erhielten, waren praktisch permanent von Arbeitslosigkeit und damit der Abschiebung bedroht. 2323Sabine Mangold-Will 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021).

Die Situation der Unprivilegierten verschärfte sich ab 1938 – das Todesjahr Atatürks – immens, als sich im nationalsozialistischen Deutschland die antisemitische und gleichschaltende Politik zuspitzte und mit ihr der außenpolitische Druck auf die Türkei stieg. Eine Kennzeichnungspflicht in Pässen von Jüdinnen:Juden wurde erlassen. 2424Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 307. Die in der Türkei lebenden Emigrant:innen mussten ab sofort einen Nachweis erbringen, nichtjüdisch zu sein. So erging es u. a. einem Lehrer an der Deutschen Schule in Istanbul, dessen Vertrag 1936 abgelaufen war und der nur dank des Istanbuler Bischofs Roncalli unbehelligt in der Stadt und am Galatasaray Lisesi bleiben: Roncalli hatte ihm einen falschen Taufschein ausgestellt. Lediglich „Spezialisten“ konnten nach Artikel 3 des Geheimerlasses eine Ausnahmegenehmigung zum Aufenthalt in der Türkei erhalten. So blieben viele Emigranten-Professoren größtenteils davon verschont. 2525Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, p. 231-32. Doch dass die Aufnahme deutscher und österreichischer Verfolgter in der Türkei stets vakant war, wurde nun mehr als offensichtlich.

Mit dem Geheimerlass Nr. 2/9498 untersagte die türkische Regierung außerdem „ausländischen Juden, die in ihren Heimatländern Restriktionen unterworfen sind“, die Einreise in die Türkei. Ab diesem Zeitpunkt konnten jüdische Flüchtende, die das von den Nazis eingestempelte „J“ im Pass trugen, an der Grenze abgefangen und abgewiesen werden. Ein berüchtigtes Niemandsland entstand, in dem viele Geflüchtete tagelang umherirrten, bis ihnen eventuell der Weg über die Grenze gelang und sie (vorübergehende) Zuflucht am Bosporus fanden. 2626Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, S. 283. Doch dass über ihre Geschichte relativ wenig bekannt ist, unterstreicht sowohl den Mangel an humanitärer Hilfsbereitschaft der Türkei gegenüber den nationalsozialistisch Verfolgten als auch klassistische und fetischisierende Tendenzen in der Beschreibung von intellektuellen Exilant:innen in der allgemeinen fluchtmigrantischen Geschichtsschreibung.

Die privilegierten deutschsprachigen Emigranten-Professoren hatten ihre Familien und oft Mitarbeitenden, darunter viele Frauen, mitgebracht, die oft in Prekarität lebten. 2727Sabine Mangold-Will 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021). Auch unter dem aus Deutschland und Österreich stammenden akademischen Mittelbau in der Türkei waren nur einige Emigrantinnen, darunter medizinisch-technischen Assistentinnen, Laborleiterinnen und Krankenschwestern. Chemie, Biologie und verschiedene medizinische Fächer waren die Fachgebiete, in denen die meisten Frauen arbeiteten. 2828Regine Erichsen nennt die Zahl von insgesamt 300 emigrierten Frauen, wobei es sich dabei nicht nur um Akademikerinnen handelte. Die Zahl der deutschen Türkeiemigrant*innen schätzt Erichsen auf insgesamt ca. 1000, darunter insgesamt ca. 300 Akademiker*innen. Regine Erichsen, 2005:  Das türkische Exil als Geschichte von Frauen und ihr Beitrag zum Wissenschaftstransfer in die Türkei von 1933 bis 1945, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28(4): 337–353, siehe 339­-341.

Doch gab es auch Ausnahmen: Rosemarie Heyd-Burkart (1905-2002) baute mit Leo Spitzer (1887-1960) den Lehrstuhl für Romanische Philologie und das Spracheninstitut der İstanbul Üniversitesi auf. Sie übersetzte außerdem Vorlesungen von Emigranten-Professoren in das in der Türkei geläufige Französisch, bis diese Türkisch konnten (oder türkische Assistenten mit Sprachkenntnissen Übersetzungshilfe leisteten).

Für einige emigrierte Frauen war die Heirat mit türkischen Männern die einzige Chance zum Erwerb des Aufenthaltsrechts. 2929Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, p. 223. Viele andere versuchten dagegen, über Istanbul einen Weg zu finden, um in die USA zu gelangen. Lotte Löwe (geb. 1900), eine Mitarbeiterin des Breslauer Chemikers Fritz Arndt (1885-1969) am Lehrstuhl für Allgemeine Chemie der Istanbuler Universität, gab folgenden Grund für diese Bemühungen:

Meine jungen Kollegen und ich, wir waren zumeist aus Assistentenstellen an deutschen Universitäten entlassen worden, die wir häufig schon längere Zeit bekleidet hatten – ich z. B. während 6 1/2 Jahren – wobei ich nach den ersten 2 Jahren als planmäßige Assistentin zur Beamtin auf Widerruf ernannt worden war. In Istanbul wurden wir als ,ilmi yardimci‘ (wissenschaftliche Mitarbeiter) eingestuft. Aber wir jungen deutschen Wissenschaftler – ca. 40-50 an der Zahl – hatten mit wenigen Ausnahmen als Gastarbeiter praktisch keine Fortkommenschance. 3030​​Regine Erichsen, 2005:  Das türkische Exil als Geschichte von Frauen und ihr Beitrag zum Wissenschaftstransfer in die Türkei von 1933 bis 1945, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28(4): 337–353, siehe S. 344-345, Zitat 344.

Während u. a. die geringen Karrierechancen für Frauen Anlass dazu gaben, die Türkei eigenständig zu verlassen, verschärfte sich die Lage 1941 weiter, als die Mehrzahl der jüdischen Emigrant:innendie deutsche Staatsbürgerschaft verlor: „Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen wurde unter meist fadenscheinigen Anschuldigungen (…) des Landes verwiesen“. 3131Fritz Neumark zitiert nach Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 308.

Als 1943 die zweiten Fünf-Jahres-Verträge für ausländischen Wissenschaftler ausliefen, wurde erneut eine große Gruppe von den in der Zwischenzeit staatenlos gewordenen Wissenschaftlern des Landes verwiesen. 3232Corry Guttstadt 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, p. 233; Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 307.

Mit Beendigung der türkischen Neutralität und der offiziellen Kriegserklärung im Herbst 1944 wurden alle diplomatischen Beziehungen mit NS-Deutschland abgebrochen. Es begann eine völlig neue Zeit für alle deutschen und österreichischen Staatsangehörigen. Entweder sie ließen sich ins „Dritte Reich“ zurücktransportieren oder sie wurden gemeinsam mit den im Land verbliebenen jüdischen und politischen Geflüchteten in drei Orten Anatoliens interniert: Çorum, Yozgat, und Kirsehir.

Glücklichere hatten zu diesem Zeitpunkt Istanbul schon den Rücken gekehrt, um meist in den USA, Palästina oder Russland einen Neuanfang zu wagen. In der Tat wirkte die sich zuspitzende Migrationspolitik insbesondere auf die Dauer der Zufluchtszeit in Istanbul aus. Einige der NS-Geflüchteten blieben für immer in dem Land, das ihnen Schutz vor Verfolgung und neue Möglichkeiten bot; für andere war die Türkei nur eine Zwischenstation. Einige verloren ihren Aufenthaltsstatus, andere wurden insbesondere nach Kriegsbeginn abgeschoben. Es gab auch krankheits- oder altersbedingte Todesfälle, wie es sich beispielsweise für den Architekten Bruno Taut ereignete, oder (versuchte) Selbstmorde. Die Mehrzahl derjenigen, die das Kriegsende in der Türkei in einem der drei Internierungslager abgewartet hatten, in die sie nach der späteren türkischen Parteinahme gegen Deutschland im Krieg umgesiedelt wurden, gingen nach 1945 meist zurück nach Deutschland oder Österreich. Manche, wie Erich Auerbach, migrierten erst dann weiter in die USA. 3333Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 261.

Umsteigehafen Istanbul: Ungewisser Transit nach Palästina

Die Türkei, wie die überragende Mehrzahl von Staaten weltweit, gewährte keinen ungehinderten Zuzug von Jüdinnen:Juden und auch den Transit durch das Land nur unter Auflagen. Dennoch wurde die Türkei bereits vor Kriegsbeginn zu einem wichtigsten Transitland nach Palästina. Scheinbar unabhängig von den homogen-diversen, deutsch-jüdischen Elite-Geflüchteten arbeiteten jüdische Hilfsorganisationen für jüdische Geflüchtetengruppen aus Ost- und Süd/osteuropa, die immer mehr versuchten, einer drohenden oder bestehenden deutschen Besatzung zu entkommen – auch über Istanbul und von hier vermehrt nach Palästina.

Das American Jewish Joint Distribution Committee (kurz: JDC oder Joint) in Istanbul arbeitete u.a. daran, Jüdinnen:Juden, die hier aus Rumänien, wo u.a. sich auch viele polnische Jüdinnen:Juden um Weiterfahrt bemühten, Bulgarien, Ungarn, dem Balkan, der Ukraine oder auch Italien strandeten, vor Ort zu unterstützen und, wenn möglich, weiter nach Palästina zu schleusen. 3434Linda G. Levi, 2020: “Family Searching and Tracing Services of JDC in the Second World War Era,” in: Levi, Linda G.; Panek, Isabel; Borggräfe, Henning; Höschler, Christian (eds.): Tracing and Documenting Nazi Victims, Berlin, Boston: De Gruyter, p. 59-94, here: 69. Auch setzte sich der Joint für nichtjüdische, russische Geflüchtete ein, die, wie erwähnt, in Folge der russischen Revolution und des Bürgerkriegs Anfang der 1920er Jahre in die Türkei gekommen waren. 3535JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00743. Während die meisten im Laufe der 1920er Jahre in Richtung Westen weiterzogen, blieben andere. In der angeblich durch und durch laizistischen Türkei kamen sie in den 1930er und 1940er Jahren nun in Bedrängnis, für die türkische Staatsbürgerschaft zum Islam übertreten zu müssen. 3636Mehr dazu, siehe Pınar Üre, “Remnants of empires: Russian refugees and citizenship regime in Turkey, 1923–1938,” Middle Eastern Studies 56:2 (2020): p. 207-221.

Der Fluchtweg nach Palästina führte meist über das Schwarzes Meer, den Istanbul teilenden Bosporus, über das Marmarameer zum Mittelmeer. Zunächst blühte das „Geflüchtetengeschäft“ für die Kapitäne der Schwarzmeerschiffe. Der Kriegsbeginn erschwerte dies immens, da sich die türkische Regierung weigerte, weitere Flüchtlingsschiffe den Bosporus passieren oder in ihre Häfen einlaufen zu lassen. Von türkischer Seite befürchtete man einen “Ansturm” von Geflüchteten, die sich womöglich entschieden zu bleiben und so eine “Flüchtlingskrise” auslösen könnten. 3737JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658. Das Struma Desaster darf hier nicht unerwähnt bleiben: Am 24. Februar 1942 versenkte ein sowjetisches U-Boot das Schiff MV Struma mit fast 800 jüdischen Geflüchteten an Bord. Es war aus dem rumänischen Constanţa nach Istanbul eingelaufen, um von hier in das britische Mandatsgebiet Palästina weiterzufahren. Die türkischen Behörden schleppten die Struma zurück durch den Bosporus hinaus an die Küste von Şile im Norden Istanbuls, wo sich kurz darauf das Desaster ereignete.

Nichtsdestotrotz machten sich Fliehende auch weiterhin auf kleinen unsicheren Booten in Richtung Istanbul auf. Dies war – wie auch heute – überaus gefährlich. Henriette K. Buchman, die Sekretärin des Committee on Poland & Eastern Europe des Joint, alarmierte die Stiftung “United Roumanian Jews of America” diesbezüglich im Oktober 1942:

Dear Mr. Sonnenreich:

Knowing of your interest in problems affecting Roumanian Jews, we wish to inform you of a cable we received from the grand Rabbi of Turkey concerning the situation of two groups of 144 Roumanian Jews now in Turkey. One group of 120 fled from Roumania on a small vessel which was shipwrecked near Istanbul on October 4th. The passengers were saved by the Turkish authorities, but have lost all of their possessions and are in desperate straits. The remaining 24 refugees were likewise shipwrecked on the Turkish coast two months ago, and are in the same situation. The Grand Rabbi appealed for assistance in [sic] their behalf, and I am sure you will be glad to know that the Joint Distribution Committee appropriated an emergency grant of $5,000. to meet the immediate requirements of these unfortunate people. What further aid we may be able to extend in this situation, naturally depends upon our income from the United Jewish Appeal and other appeals for aid which confront us from all parts of the world. 3838JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00864.

Im Februar 1941 hatte u.a. auf Drängen des Joint 3939JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658. die Türkische Nationalversammlung ein Transitgesetz verabschiedet, das es jüdischen Hilfsorganisationen erlaubte, Juden:Jüdinnen durch die Türkei zu schleusen, wenn sie Einreisegenehmigungen für Palästina oder andere Länder hatten. Ein interner Bericht des Joint im Frühjahr 1941 hielt folgendes fest:

During the eight months from August 1940 to April 1941 over 3800 immigrants arrived in Palestine via Turkey, 1688 coming from Rumania, 1100 from Kaunas, 273 from Yugoslavia, 90 from Moscow and 250 from Istanbul itself. 4040NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658.

Der Historiker Stanford J. Shaw erhöhte diese Zahlen auf wahrscheinlich zu bescheidene 4.400 Personen, die 1941 unter der Kontrolle der türkischen Polizei auf dem Weg von Constanza über Istanbul durch das Land geleitet wurden, ohne dass ihnen jedoch ein längerer Aufenthalt bewilligt wurde. Das »War Refugee Board« baute mit Hilfe von Ira Hischberg Rettungswege durch die Türkei auf und sicherte sie. 4141Kurt R. Großmann, 1969: Emigration. Die Geschichte der Hitler-Flüchtlinge 1933-1945, Frankfurt a.M., p. 288. In diesem Zusammenhang wird Istanbul, neben Genf, als eines der größten Rettungszentren während des Zweiten Weltkrieges und auch noch kurz nach 1945 genannt. 4242Vgl. Stanford J. Shaw, 1993: Turkey and the Holocaust: Turkey’s Role in Rescuing Turkish and European Jewry from Nazi Persecution, 1933–1945. New York: New York University Press, p. 255.

Im Widerstreit: Nationalistische Interessen und der Eigensinn migrantischen Lebens

In der Metropole am Bosporus stießen also während der 1930er/40er Jahre produktive und destruktive Kräfte aufeinander: westlicher Orientalismus und wissenschaftliche Exzellenz, Emigrationsdruck, jüdische transnationale Hilfsstrukturen und lokaler migrantischer Aktivismus sowie türkischer Nationalismus und Utilitarismus, eine restriktive Migrations- und Transitpolitik, städtische Infrastruktur und Hilfsbereitschaft schufen einen Raum, der für viele Rettung bedeutete, u. a. einzigartige kulturelle und wissenschaftliche Erzeugnisse hervorbrachte, aber auch mit Verfolgung und einem ansteigenden Antisemitismus einherging.

Emigration war von den nationalistischen Eigeninteressen der Türkei und Deutschlands und deren Spannungsverhältnis bedingt; Zuflucht, wie auch in Frankreich und Litauen analysiert, oft an ihre Nützlichkeit im Aufnahmestaat gebunden. Doch migrantisches Leben fand und findet auch unabhängig von diesen Vorgaben, gegen sie oder an ihnen vorbei statt. Es ist eigensinnig und bisweilen wenig regier- und kontrollierbar.

 

    Fußnoten

  • 2Klaus Kreiser, 2014: Mustafa Kemal Atatürk. BpB (11.08.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184970/atatuerk (16.09.2021).
  • 3P. Schwartz (hrsg. und eingeleitet von Helge Peukert), 1995: Notgemeinschaft. Zur Emigration deutscher Wissenschaftler nach 1933 in die Türkei, Marburg.
  • 4Siehe dazu Ekaterina Aygün, 2021: A Walk Through the Russian „Montparnasse“ in Istanbul. https://walks.metromod.net/walks.p/17.m/istanbul (16.09.2021).
  • 5Vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021).
  • 6Ernst E. Hirsch auf einem türkischen Regierungsempfang am 28.Oktober 1938, Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, p. 191.
  • 7Für 1939 bezifferte der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes die Zahl der in „amtlichen und halbamtlichen“ Stellen in der Türkei tätigen Deutschen mit 2000. Hier wurden Emigrant:innen mitgezählt und für das Ansehen des ‚Deutschtums‘ im Ausland vereinnahmt — auch wenn sie gleichzeitig wegen politischer Aktivitäten und wegen ihres Jüdischseins, bzw. aufgrund der ‚Rassengesetzgebung‘, ausgebürgert wurden. Vgl dazu: Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 261-63.
  • 8Fritz Neumark, 1980: Zuflucht am Bosporus. Deutsche Gelehrte, Politiker und Künstler in der Emigration 1933-1953, Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main, p. 23-27.
  • 9Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, S. 220; vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021).
  • 10Kemal Bozay, 2001: Exil Türkei. Ein Forschungsbeitrag zur deutschsprachigen Emigration in der Türkei (1933-1945), Münster, p. 97; Kader Konuk, 2010: East West Mimesis. Auerbach in Turkey, Stanford, p. 175.
  • 11Vgl. Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei, 1933-1945. Bpb (05.09.2014). https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (16.09.2021).
  • 12Vgl. Burcu Dogramaci; Rachel Lee, 2019: Refugee Artists, Architects and Intellectuals Beyond Europe in the 1930s and 1940s: Experiences of Exile in Istanbul and Bombay. ABE Journal (14-15). https://doi.org/10.4000/abe.5949 (17.09.2021).
  • 13Brief von Bruno Taut an Isaburo Ueno, 29.11.1936. Akademie der Künste (Academy of Arts), Berlin, Bruno-Taut-Sammlung, (Bruno-Taut-Collection), Nr. 9, 439.
  • 14Philipp Schwartz, Istanbul 1933. Horst Widmann zitiert Philipp Schwartz in: Exil und Bildungshilfe. Die deutschsprachige akademische Emigration in die Türkei nach 1933, Peter Land: Frankfurt a. M., 1973, p. 60.
  • 15Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, Zitat S. 195.
  • 16Ernst E. Hirsch, 1982: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, J. Schweitzer Verlag: München, p. 196.
  • 17Fritz Neumark, 1980: Zuflucht am Bosporus. Deutsche Gelehrte, Politiker und Künstler in der Emigration 1933-1953, Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main, p. 8.
  • 18Sabine Mangold-Will, 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021).
  • 19Liselotte Dieckmann: Akademische Emigranten in der Türkei, In:  Egon Schwartz/Matthias Wegner (Hrsg.) 1964: Verbannung. Aufzeichnungen deutscher Schriftsteller im Exil. Hamburg: Christian Wegner Verlag, pp. 122-126, Zitat p. 124.
  • 20Burcu Dogramaci; Rachel Lee, 2019: Refugee Artists, Architects and Intellectuals Beyond Europe in the 1930s and 1940s: Experiences of Exile in Istanbul and Bombay. ABE Journal (14-15). https://doi.org/10.4000/abe.5949 (17.09.2021); Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 257.
  • 21Interview von Anne Dietrich mit Elfriede Alfandari, geb. Karon, Istanbul 02.12.1991. in: Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 264.
  • 22Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 263.
  • 23Sabine Mangold-Will 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021).
  • 24Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 307.
  • 25Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, p. 231-32.
  • 26Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, S. 283.
  • 27Sabine Mangold-Will 2014: Deutsche in der Türkei 1933 – 1945. Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer. https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184978/deutsche-im-exil-tuerkei (05.05.2021).
  • 28Regine Erichsen nennt die Zahl von insgesamt 300 emigrierten Frauen, wobei es sich dabei nicht nur um Akademikerinnen handelte. Die Zahl der deutschen Türkeiemigrant*innen schätzt Erichsen auf insgesamt ca. 1000, darunter insgesamt ca. 300 Akademiker*innen. Regine Erichsen, 2005:  Das türkische Exil als Geschichte von Frauen und ihr Beitrag zum Wissenschaftstransfer in die Türkei von 1933 bis 1945, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28(4): 337–353, siehe 339­-341.
  • 29Corry Guttstadt, 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, Hamburg, p. 223.
  • 30​​Regine Erichsen, 2005:  Das türkische Exil als Geschichte von Frauen und ihr Beitrag zum Wissenschaftstransfer in die Türkei von 1933 bis 1945, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28(4): 337–353, siehe S. 344-345, Zitat 344.
  • 31Fritz Neumark zitiert nach Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 308.
  • 32Corry Guttstadt 2008: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A: Berlin, p. 233; Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 307.
  • 33Anne Dietrich, 1998: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956. Opladen: Leske und Budrich, p. 261.
  • 34Linda G. Levi, 2020: “Family Searching and Tracing Services of JDC in the Second World War Era,” in: Levi, Linda G.; Panek, Isabel; Borggräfe, Henning; Höschler, Christian (eds.): Tracing and Documenting Nazi Victims, Berlin, Boston: De Gruyter, p. 59-94, here: 69.
  • 35JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00743.
  • 36Mehr dazu, siehe Pınar Üre, “Remnants of empires: Russian refugees and citizenship regime in Turkey, 1923–1938,” Middle Eastern Studies 56:2 (2020): p. 207-221.
  • 37JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658.
  • 38JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00864.
  • 39JDC Archives, NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658.
  • 40NY_AR3344_1047_2of2-1052_1of2_00658.
  • 41Kurt R. Großmann, 1969: Emigration. Die Geschichte der Hitler-Flüchtlinge 1933-1945, Frankfurt a.M., p. 288.
  • 42Vgl. Stanford J. Shaw, 1993: Turkey and the Holocaust: Turkey’s Role in Rescuing Turkish and European Jewry from Nazi Persecution, 1933–1945. New York: New York University Press, p. 255.

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„Die Vermieterinnen freuten sich, uns mitzuteilen, dass wir eine „berühmte“ Wohnung gemietet hatten; Leon Trotzki hatte dort nach seiner Vertreibung aus Russland […] gewohnt. Auch er war ein armer Flüchtling, der sich nichts Besseres leisten konnte.“

Kapitel 3